Mit geballter Pflanzenkraft gebe ich Erkältungs-Viren keine Chance mehr!

Beklemmung. Im sechsten Monat der Pandemie fühlte sich Claudia Maiwald (43, Name geändert) nur noch in den eigenen vier Wänden sicher und frei. „Schon im Treppenhaus erfasste mich ein beklemmendes Gefühl. Ein kontaminierter Handlauf, ein verschnupfter Nachbar oder Zug im Windfang hatten in der Vergangenheit bereits ausgereicht, dass ich wochenlang flachlag. Jetzt vervielfachte Corona meine Befürchtungen,“ erzählt die Mode-Fachverkäuferin aus Traunstein am Chiemsee. „Den langen, warmen Sommer hatte ich sorgsam auf Abstand geachtet; trug konsequent Mundschutz; wusch mir bei jeder Gelegenheit die Hände – doch mit Herannahen des Winters wuchs mein Gefühl, dass das nicht reichen wird.“ 

Erstarren. In der Tat erwischt die 43jährige bereits Anfang Oktober der erste, saisonale Atemwegsinfekt. „Wie aus heiterem Himmel begann es abends beim Fernsehen mit kalten Füßen und Kribbeln in der Nase,“ erinnert sich Claudia Maiwald. „Am nächsten Morgen setzten Schnupfen und ein leichter Reizhusten ein. Am Frühstückstisch erstarrte mein Mann zur Salzsäule, als ich mich mehrfach wegdrehte und in die Ellenbeuge räusperte.“

Beratung. Da sich die 43jährige nicht richtig fit fühlt, ruft sie umgehend auf der Arbeit an, meldet sich für den Tag ab. „Schließlich wollte ich keinen Kollegen oder gar Kunden gefährden. Außerdem kam mir der Rat einer Freundin in den Sinn: Sie hatte mir von einem neuen Arzt in benachbarten Siegsdorf vorgeschwärmt. Einem Landarzt, der sich auf dem Gebiet der Naturheilkunde auskennt. Wie jede Patientin mit Verdacht auf eine Covid-Infektion ruft sie gleich am Morgen in der Praxis an.

Begrüßung. „Gut, dass Sie nicht zur Arbeit gegangen sind“, begrüsst sie der 42jährige Dr. Christoph-Daniel Hohmann am Telefon. „War es früher relativ leicht, zwischen einer Atemwegsinfektion und richtiger Grippe zu unterscheiden, kann ohne Test diesen Winter ehrlicherweise niemand sicher sein, ob hinter leichten Erkältungssymptomen nicht doch Corona steckt – nicht einmal wir Ärzte!“

Diffus. Zwar klagt knapp jeder zweite Infizierte über richtigen Husten und mehr als jeder dritte über Fieber. Aber bei jedem fünften beginnt Covid-19 ,nur‘ mit Schnupfen. Andere wiederum berichten von diffusen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Geschmacksverlust, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall, Hautausschlag. Dr. Hohmann: „Bayern fährt zur Zeit ein sehr intensives Testkonzept. Deshalb sind wir gehalten, alle Patienten mit entsprechenden Symptomen zu testen. Das bindet bei dem technischen Aufwand der PCR-Tests natürlich erheblich medizinische Resourcen, erhöht anderseits die Wahrscheinlichkeit, Infizierte frühzeitig zu erkennen.“

Maßnahme. Für diese spezielle Corona-Sprechstunde bestellt die  Praxis mit zeitlichem Abstand nur wenige Infektpatienten ein. Diese warten im Fahrzeug vor der Tür und werden dann einzeln per Telefon in ein gut gelüftetes Praxiszimmer gebeten – ohne weiteren Kontakt zu anderen Patienten oder Mitarbeitern. Da Claudia Maiwald kein Fieber hat, der Rachen nicht gerötet und auch die Halslymphknoten nicht geschwollen sind, schickt Dr. Hohmann seine Patientin nach der Untersuchung mit Abstrich zum gründlichen Auskurieren des Infekts nach Hause ins Bett – natürlich nicht ohne zuvor per Naturheilkunde den Genesungsprozess zu unterstützen.

Hausmittel. Als Selbsthilfe-Maßnahme rät ihr der Phytotherapie-Experte gegen den festsitzenden Schleim daheim zu inhalieren –jeweils mit einem Teelöffel getrocknetem Thymiankraut und Kochsalz als Zugabe. „Es gibt keine Medaille für das heißeste Inhalieren. Es reicht völlig, wenn aus dem Wasser Dampf aufsteigt“, erklärt er ihr das bewährte Hausmittel. „Ruhig und entspannt zehn bis 15 Minuten in der Dampfwolke ein- und ausatmen – drei bis fünf mal am Tag.“

Infusion. Als an nächsten Tag das negative Testergebnis vorliegt, ist die Bahn frei für eine intensive naturheilkundliche Behandlung, um dem laufenden Infekt, aber vor allem auch der chronischen Erkältungsneigung entgegenzuwirken. Eine ideale Akutmaßnahme  in der Praxis ist die Infusion mit hochdosiertem Vitamin C und Zink. „Durch diesen Vitalstoff-Cocktail fühlte ich mich innerhalb weniger Minuten spürbar besser,“ sagt Claudia. „Trotzdem schrieb mich der Arzt eine Woche krank – um mir Zeit  zu geben, mich wirklich zu erholen. Brav folgte ich dem Rat, stand nur auf, um zu inhalieren oder mir aus 20 Gramm Ingwerwurzel, 150 ml Holunderbeerensaft, dem Saft einer halben Zitrone und einem Esslöffel Honig mit heißem Wasser einen Anti-Erkältungsdrink zu mixen.“

Medikamente. Für den dritten Therapieschritt schickt Claudia ihren Mann in die Apotheke: „Wenn ich komplizierte Verläufe ausschließen kann, setze ich bei Erkältungskrankheiten gerne auf phytotherapeutische Pflanzenstoffe, wie die Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich“, so Hohmann.

Entsorgung. Das Besondere an den hochwirksamen Pflanzensubstanzen (enthalten z.B. in Angocin): Das Gemisch aus Senfölen, mit denen sich die jeweiligen Pflanzen vor ihren Fressfeinden schützen, kann im Darm nicht verstoffwechselt werden. Deshalb wird es über die Schleimhäute – insbesondere die Atemwege – aus dem Körper abtransportiert.

Selbstreinigung. „Und das ist genau der Hotspot, wo sich bei Atemwegsinfektionen die meisten Erreger tummeln“, veranschaulicht der Naturheilkundler. „Die Senföle bekämpfen Krankheitserreger ähnlich wirksam wie chemisch-synthetische Antibiotika   – mit dem bedeutenden Vorteil gegenüber Penicilin und Co: die Pflanzenstoffe wirken nicht bloß gegen Bakterien, sondern gleichermaßen gegen Viren und zusätzlich entzündungshemmend! Zudem haben Sie wesentlich weniger Nebenwirkungen als Antibiotika, zum Beispiel greifen die Senföle nicht die empfindliche Magen-Darmflora an. Dazu kommt, dass Senföle die Durchblutung der Schleimhäute ankurbeln, so die Selbstreinigung der Atemwege antreiben.“

Spürbar. „Und wirklich: Die Beschwerden wurden spürbar besser“, ist die sportlich-schlanke Frau begeistert. „Drei Tage später konnte ich einen ersten, halbstündigen Spaziergang an frischer Luft machen. Und Doktor Hohmann zündete jetzt gleich die nächste Behandlungsstufe – die allgemeine Stärkung des Immunsystems.“

Darmpflege. Da vier von fünf aller Abwehrzellen im Darm gebildet werden, konzentriert sich der Allgemeinmediziner bei Claudia darauf, die Darmflora – das so genannte Mikrobiom – zu pflegen und zu harmonisieren. Dazu verordnet er verschiedene Probiotika, also ausgewählte und medizinisch gezüchtete Darmkeime die einen positiven Einfluss auf die Besiedelung des Verdauungsorgans haben. Bitter- und Gerbstoff-Tees mit Blutwurz, Löwenzahn- und Gänsefingerkraut wirken regulierend auf die Verdauungsbewegungen (Peristaltik) und fördern den Abtransport immunologisch belastender Stoffwechselprodukte. „Basistherapie zur Vorbeugung von erneuten Erkältungskrankheiten bleibt der tägliche Einsatz des Senfölgemisches mit zwei mal zwei Tabletten täglich während der Erkältungssaison“, ergänzt Hohmann.

Belastung. „Last but not least spornte mich mein Arzt an, auch in der kalten Jahreszeit regelmäßig Sport zu treiben“, so Claudia Maiwald. „Das Ergebnis des geballten Pflanzenkraft-Bewegung-Mixes: Nach einer weiteren Woche fühlte ich mich fitter und gesünder als in den gesamten drei Jahren zuvor. Keine Chance für Erkältungsviren!“

Sechs Fragen an Dr. Christoph-Daniel Hohmann (42), Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt Naturheilkunde, niedergelassen in Siegsdorf (Chiemsee)

Was schützt mich am besten vor Erkältungen? Alles, was gut gegen Corona ist, schützt auch vor vielen anderen Atemwegsinfekten. Mein Toptipp ist das konsequente Training des Immunsystems mit den vielfältigen Maßnahmen aus der Naturheilkunde. Vorbeugen ist immer beser als behandeln.

Wie helfen die AHA-Regeln?Selbstverständlich sollten wir zur Zeit alle auf die gängigen Hygienmaßnahmen achten. Viermal täglich und nach dem Niesen oder Schneuzen empfehle ich die Handdesinfektion mit handelsüblichen Desinfektionsmitteln. Auch dosiert häufiges Händewaschen ist sinnvoll – ein zuviel stört aber die Abwehrschicht der Haut und macht sie so erst recht zum Transportmittel für Erreger. Übertragungen finden nicht nur durch das Anfassen von Türklinken oder Händeschütteln statt, sondern insbesondere durch die Übertragung via Atemluft. Vor den unsichtbaren Aerosolwolken schützen in gewissen Umfang die bekannten Mund-Nasen-Masken – unseren Gegenüber, aber auch uns selbst. Zusätzlich hilft regelmäßiges Lüften und Abstand halten.

Stimmt es, dass ich mich durch Sport schützen kann? Halten Sie sich viel an frischer Luft auf und gehen Sie regelmäßig spazieren oder gemütlich joggen. Die Atemwege werden so stärker durchblutet. Regelmäßiger Ausdauersport verringert nachgewiesener Maßen die Infektanfälligkeit.

Und wie sieht es mit der täglichen Ernährung aus? Da ist zu allererst ausreichend trinken zu nennen. Genug Flüssigkeit ist der beste Schutz für die Schleimhaut von Nase und Lunge. Wer zwei Liter am Tag trinkt, verhindert ihr Austrocknen und das Einnisten von Viren – gerade in der Heizperiode mit trockener Raumluft. Außerdem empfehle ich Haferflocken. Die Flocken sind sehr reich an Vitaminen der B-Gruppe, wie Vitamin B1, B2, B6 und Biotin. Das macht nicht nur Haare und Nägel schön, sondern stabilisiert die Schleimhäute.

Worauf sollte ich im Akutfall achten? Ziehen Sie sich zurück, nehmen Sie sich die Zeit, sich richtig auszukurieren. Und schleppen Sie sich nicht zur Arbeit. Solche Tapferkeit war nie eine gute Idee, seit Corona erst recht nicht! Ein Test kann im Zweifel Klarheit schaffen. Auch wenn Sie wissentlich keinen Kontakt zu einem infizierten Mitmenschen hatten: Wer Symtome hat und trotzdem unter Menschen geht, risikert, dass sich andere anstecken – möglicherweise auch Personen, die zur Risikogruppe gehören und für die ein schwerer Verlauf lebensgefährlich sein kann. Wenn Sie ärztliche Hilfe brauchen, rufen Sie erst einmal in der Praxis an und lassen sich telefonisch beraten.

Haben Sie noch einen Tipp gegen den Husten? Dampf-Inhalationsbäder mit Salz regelmäßig zwei bis drei Tage drei- bis fünf mal am Tag. Auf die sonst vielgelobte Kamille würde ich an dieser Stelle verzichten, da sie die Bronchialschleimhäute austrocknet. Ich bevorzuge  Thymian oder Eukalyptusöl (Erkältungssalbe, Kapseln). Beide regen die Selbsteinigung der Atemwege an und pflegen sie.

Corona – „Bloß nicht anstecken“ 

Foto: RKI

Die Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus SARS-CoV-2 hat das Leben in Deutschland dauerhaft und tiefgreifend verändert.  Wie verhalte ich mich im Alltag, um eine Übertragung von Viren zu vermeiden? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt dazu auf der Seite www.infektionsschutz.de entsprechende Ratschläge. Generell werden die Maßnahmen empfohlen, die bei allen ansteckenden Krankheiten, wie zum Beispiel der Influenza und anderen Atemwegserkrankungen, ratsam sind. Dazu zählen unter anderem das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette (in ein Taschentuch oder Armbeuge husten und niesen), eine gute Händehygiene (Hände mehrmals am Tag gründlich einseifen und Abwaschen; jeweils etwa 20-30 Sekunden lang) sowie Abstandhalten (eineinhalb Meter). Händeschütteln ist inzwischen komplett verpöhnt. Als weitere Schutzmaßnahmen bis zur Impfung wird das regelmäßige Lüften, die erhebliche Reduzierung der sozialen Kontakte und die Installation der Corona-Warn-App aufs Smartphone empfohlen.

Steckbrief Kapuzinerkresse

Bis ins 13. Jahrhundert hinein waren Mönche fast 500 Jahre lang verantwortlich für die medizinische Versorgung Europas. In den Klöstern sammelten sie das Wissen der alten Zeit. Kein Wunder, dass der Volksmund der Gartenpflanze mit gesunder Wirkung wegen der Ähnlichkeit der Blüten mit Mützen der Kapuzinermönche den Namen „Kapuzinerkresse“ gab. 

Wo kommt sie her? Ursprünglich stammt die Kapuzinerkresse aus Peru. Von dort gelangte sie um 1600 zu uns. 2013 wurde sie zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Woran erkenne ich Sie? Das Kletterkraut hat ungeteilte, schirmförmige Blätter und wächst bis zu 30 Zentimeter hoch. Die strahlend orangefarbenen und roten Blüten werden in der Küche gerne als Speise-Garnitur verwendet.

Was ist drin? Aufgrund der in der Pflanze enthaltenen Senföle werden Viren sowie Bakterien bekämpft; die Pflanzenstoffe wirken zusätzlich antientzündlich; außerdem werden Bakteriengifte inaktiviert; drittens werden allgemein die körpereigenen Abwehrkräfte stimuliert.

Wann hilft es? Die Pflanze wird – vor allem in Kombi mit dem ebenfalls Senföle enthaltenden Meerrettich – bei Harn- und Atemwegsinfektionen eingesetzt.

Steckbrief Meerrettich

Meerrettich war schon in der Antike bekannt. Dabei hat der Deutsche Name nichts mit „Meer“ zu tun. Vielmehr wurde Meerrettich früher wohl gerne an Pferde verfüttert. Daher leitet sich der Begriff Meerrettich von dem alten deutschen Wort „Mähre“ ab.

Wo kommt er her? Seine Heimat liegt in Ost- und Südeuropa. In den Steppen des östlichen Russlands und der Ukraine wächst noch die Wildform des Meerrettichs. In Deutschland wird die seit dem 12. Jahrhundert bekannte Pflanze nur noch wenig angepflanzt. Eines der Hauptanbaugebiete ist Baden.

Woran erkenne ich ihn? Meerrettich ist eine bis zu 1,20 Metern hoch wachsende Staude. Die Wurzel wird 60 cm lang und vier bis sechs cm dick. Meerrettich ist ein frostfestes Gemüse und wird von Ende September bis April frisch im Handel angeboten. Die Hauptsaison beginnt Ende Oktober bis Anfang November.

Was ist drin? Meerrettich enthält besonders viel Vitamin C, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor. Darüber hinaus ätherische Öle wie Senföle, die antibiotisch, antiviral und antientzündlich wirken.

Schnelltest – Ist mein Immunsystem stark genug für den Winter?

1. Leiden Sie häufiger als dreimal pro Jahr an einer Erkältung?

2. Sind Sie pro Woche seltener als zwei mal eine halbe Stunde an frischer Luft?

3. Treffen Sie beruflich oder privat mit über zehn Menschen zusammen?

4. Leben oder arbeiten Sie in klimatisierten Räumen?

5. Haben Sie Kinder, die in Kindergarten oder Schule gehen?

Auswertung: Vorbeugen ist besser als heilen. Schon bei einem Ja kann Ihr Immunsystem belastet sein. Gerade wenn Sie keine akute Beschwerden haben, sollten Sie versuchen, Ihre Abwehrkräfte, vor allem durch regelmäßige Bewegung (Fahrradfahren, Spaziergänge), vitaminreiche Ernährung und Wasseranwendungen nach Kneipp zu stärken.

© medizin-reporter.blog/André Berger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages