Pflegespray stoppt Zahnfleischentzündung – jetzt kann ich wieder sorglos lachen

Anfang 2024 verging Sabrina Elitz allerdings das Lachen. „Meine Zähne reagierten sensibel auf Heißes oder Kaltes. Manchmal tat es schon bei Süßem weh. Als ich irgendwann genauer nachsah, erschrak ich: Hinten im Oberkiefer hatten sich zwei Backenzähne deutlich verlängert. Unter dem Zahnschmelz traten gräulich-dunkle Zahnhälse hervor. Und an einer Stelle – so hatte ich den Eindruck – hatte sich Karies gebildet. Da passte es gut, dass ich im April bei meiner Zahnärztin einen Kontrolltermin hatte.

„Zum Glück steckt im Erwachsenenalter nur selten Karies hinter solchen Missempfindungen“, beruhigt Dr. Cornelia Garnitz ihre Patientin gleich zu Beginn der Untersuchung. „Viel häufiger kommt es – wie bei Ihnen – zum Rückgang durch eine Zahnfleischentzündung. Wir Zahnärzte sagen auch ,Gingivarezession’.“

Dabei ist Sabrina Elitz kein exotischer Einzelfall: Laut einer europaweiten Umfrage klagen mehr als die Hälfte aller Menschen über Missempfindungen an mindestens einem Zahn, wenn sie kalte Speisen oder Getränke zu sich nehmen,  42 Prozent der 3187 Befragten reagieren bei direkter Zahnstimulationen mit Schmerzen.

Hauptursache der Zahnfleischentzündung ist ein Befall mit Bakterien: Nehmen sie überhand, bildet sich Zahnbelag (Plaque). Dieser führt unbehandelt zur Entzündung des Zahnfleischs. Eine mangelhafte oder falsche Mundhygiene beschleunigt die bakterielle Ausbreitung. Erst kommt es zur Gingivitis, der lokalen Zahnfleischentzündung. Später folgt die Parodontitis, bei der sich die Zahnfleischentzündung auf das Zahnbett ausweitet und das Zahnfleisch nach und nach zurückgeht.

„Je länger der Zahnbelag sich hält, um so eher mineralisiert er zu Zahnstein aus, in dem sich die Bakterien noch besser verstecken können.“ Als Sofortmaßnahme gegen die Zahnfleischentzündung kommt deshalb bei Sabrina Elitz die professionelle Zahnreinigung, kurz PZR, zum Einsatz. Eine speziell geschulte Praxis-Mitarbeiterin entfernt gezielt alle festen und weichen Belegreste von den Zähnen. Außerdem werden die Zähne fluoridiert.

Zwei Wochen später erfolgt die Erhebung des Parodontital-Status. In einem Aufklärungs- und Therapiegespräch (ATG) und einer individuellen Mundhygieneunterweisung (MHU) wird Sabrina über Ursachen, Folgen und Behandlungsoptionen bei Zahnfleischentzündung aufgeklärt.

„Hier besprachen wir u.a. die Möglichkeit, Lacke aufzutragen, die kombiniert Chlorhexidin – CHX – und Fluroid enthalten. Diese lokale, chemische Keule gegen die Zahnfleischentzündung wird mit einem Wattekügelchen aufgetragen – insbesondere auf die Zahnhälse und Kauflächen. Das hochkonzentrierte Fluorid härtet durch den Kontakt mit dem Speichel sofort aus und schützt den übersensiblen Zahn“, so Dr. Garnitz. „Last but not least können wir in der Praxis noch auf die so genannte Biofilm-Therapie zurückgreifen, um der Zahnfleischentzündung gezielt Einhalt zu gebieten.“

,Biofilm‘ ist der Fachausdruck für bakterielle Beläge. Zur besseren Bekämpfung macht Dr. Garnitz bei Sabrina Elitz einen Abstrich. Der wird ins Labor eingeschickt und auf die elf  „Markerkeime“ für Parodontitis mit so eindrucksvollen Namen wie Aggregatibacter actinomycetemcomitans, Tannerella forsythia, , Campylobacter rectus oder Eikenella corrodens untersucht.

„Je nach Bakterienkomplex stehen uns verschiedene Antibiotika wie Amoxicillin oder Metronidazol zur Verfügung, mit denen wir über sieben Tage die unerwünschten Erreger in der Mundhöhle und damit die Zahnfleischentzündung bekämpfen“, erklärt Dr. Garnitz.

Um den Antibiotika-Einsatz bei Zahnfleischentzündungen möglichst gering zu halten, liegt der Umweltzahnmedizinerin die Schulung der Patienten in der richtigen täglichen Zahnpflege besonders am Herzen. „Sie putzen bestimmt häufig genug“, so die Zahnärztin zu Sabrina.  „Aber vermutlich an den falschen Stellen. Nicht die Kauflächen sind das Problem, sondern die Zahntaschen und Zahnzwischenräume. Hier kommt man allerdings nicht mit der  Zahnbürste allein weiter. Dafür gibt es Zahnseide und die Interdentalbürstchen.“

Da zuckerhaltige Speisen das tägliche Brot der Bakterien sind, rät Dr. Cornelia Garnitz ihrer Patientin in den ersten Wochen um Zurückhaltung bei Süßigkeiten, da sie an den Zähnen kleben bleiben und  eine ideale Nahrungsgrundlage bieten.

Ganz wichtig ist der Umweltzahnmedizinerin auch ein Blick auf das Immunsystem bei Zahnfleischentzündungen: Eine momentane Schwäche der Abwehrkräfte, z. B. durch Rauchen, Stress, Hormonumstellung oder einen grippalen Infekt kann das Mikrobiom im Mund nachhaltig stören. Hintergrund: Auf der Mund- und Rachenschleimhaut tummeln sich nicht nur schädliche Parodontitis-Bakterien, sondern auch Mikroben, die vor diesen Krankheitserregern schützen können.

 „Pflegen wir diese Mikroben, pflegen sie uns!“ so das Credo von Dr. Garnitz „Deshalb ist es sinnvoll, mit den mikroskopisch kleinen Lebewesen quasi ein Bündnis einzugehen. Ein erster Schritt dazu ist, ausreichend zu trinken. Die Schleimzellen produzieren dann mehr Feuchtigkeit und diese erhöht die Besiedelungsdichte. Schädliche Eindringlinge habe es schwerer voranzukommen“.

Außerdem kann ein vorbeugend-pflegender Effekt durch spezielle pflanzliche Extrakte und ätherische Öle erzielt werden. „Hier bilden pflegende Mundsprays eine gute, ergänzende Maßnahme. Einige sind in der Lage, die Zahl infektiöser Keime direkt beim Anwenden zu reduzieren – und das bereits frühzeitig „in der Eintrittspforte“, also im Rachenraum, da, wo die Zahnfleischentzündung beginnt.

Die naturheilkundliche Zahnärztin empfiehlt ihrer Patienten ein bewährtes pfanzliches Pflegespray mit Myrrhe, Blutwurz und Ratanhiawurzel und den ätherischen Ölen der Minze, des Eukalyptus, der Nelke und des Anis (z.B. REPHA OS).

„Die einzigartige Kombi wirkt sowohl angenehm kühlend, erfrischt den Atem und soll durch seine pflegenden Gerb- und Bitterstoffe einen zusammenziehenden (adstringierenden), entzündungshemmenden und antibakteriellen Effekt haben“, weiß die Zahnärztin.

Dreimal kehrt Sabrina in die Praxis nach Albstadt zurück – nach Erhebung des Parodontalstatus zur Mund- und Hygieneunterweiung, zur antiinfektiösen Therapie und im Anschluss zum Keimtest. Dann sind die akuten Zahnfleischentzündungen – wie bei den meisten Patienten – gestoppt. „Der Lack gegen die  Überempfindlichkeit hat umgehend geholfen. Jetzt sorge ich mit dem Spray und täglicher Zahnpflege dafür, dass die Bakterien sich nicht mehr festsetzen können. Die weitere Nachsorge wird individuell festgesetzt. Aktuell reicht es, wenn ich zweimal im Jahr zu Frau Doktorin Garnitz gehe“, strahlt sie zufrieden.

Vier Fragen an die Experten Dr. Cornelia Garnitz (57), Praxis für Umweltzahnmedizin in Albstadt:

Warum reagieren Zähne auf äußere Reize, auch wenn sie gar nicht kaputt sind? Wenn sich das Zahnfleisch von der Zahnkrone mit seinem dicken, schützenden Schmelz zurückzieht, wird  Wurzelzement freigelegt. Hier verlaufen tausende so genannter Nutritionskanäle. Sie reichen bis zur Pulpa, der  Hohlkammer des Zahnes, in der der sensible Nerv verläuft. Deshalb empfinden wir äußere Einflüsse wie Kälte oder Wärme und Süßes, aber auch die Vibrationen des Zahnarztbohrers am freiliegenden Zahnhals als unangenehm.

Wodurch wird der Rückgang des Zahnfleischs ausgelöst? Zu den häufigsten Auslösern zählen Zahnfleischentzündungen (Parodontitis), zu kräftiges Putzen (Putzdefekte) und Zähneknirschen (Bruxismus). Aber auch Rauchen oder Lippenband-Piercings können dafür sorgen, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht. Oder auch Störungen beim Zahnreihen-Schluss, wie Zahnlücken, in die angrenzende Zähne kippen, aber auch nicht gut angepaste Kronen, Brücken oder Zahnersatz sind Risikofaktoren. Die genaue Ursache kann nur der Zahnarzt feststellen – und auch welche Therapie das Fortschreiten der Gingivarezession aufhalten kann.

Wie kann ich mein Zahnfleisch schützen? Bestes Mittel ist die richtige Zahnpflege. Dazu sollten Sie mindestens zweimal täglich, morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Zubettgehen gründlich (aber nicht mit Kraft) die Zähne putzen. Die Zwischenräume erreicht man mit einer Zahnbürste nicht. Deshalb dort einmal pro Tag mit Zahnseide reinigen. Für größere Lücken gibt es Interdentalbürstchen. Wie es damit richtig geht, zeigt Ihnen gerne Ihr Zahnarzt.   

Was können Sie als Zahnarzt bei schmerzsensiblen Zähnen tun? Eine professionelle Zahnreinigung (Prophylaxe) alle sechs Monate ist schon mal eine gute Vorsorge. Bei bereits freiliegenden Zahnhälsen kann die Sensibilität vorrübergehend mit Fluoridlacken reduziert werden.

Achtung, Zahnfleischentzündungen!

Unsere zweiten Zähne sitzen normalerweise fest im Zahnfleisch. „Das rosarote Gewebebett besteht aus einem dichten Netz an feinsten Blutgefäßen und versorgt so die Zähne über die Wurzel mit allen notwendigen Nährstoffen“, weiß Dr. Cornelia Garnitz.

Doch ab 40 gehen uns mehr Zähne durch die sogenannte Paradontitis als durch Karies verloren!  Dabei greifen eingeschleppte Bakterien das Zahnfleisch an. Eine mangelhafte oder falsche Mundhygiene fördert das Bakterienwachstum.

Die Gingivitis ist dabei eine noch recht harmlose Entzündung des Zahnfleisches. „Das Fleisch an den Zahnhälsen ist nur leicht gerötet. Blutungen beim Putzen oder Beißen gibt es nur hin und wieder. Werden allerdings die Alarmsignale übersehen, droht eine Parodontitis. 

Die Folgen: Am häufigsten in den Zahnzwischenräumen, aber auch auf der Wangen- oder Gaumenseite bilden sich tiefe Taschen – Schlupfwinkel, in denen die Bakterien ungestört an Zahn und Knochen nagen können. Unbehandelt drohen Knochenrückgang und Zahnausfall.  

Das Risiko: Die Bakterien bleiben nicht im Mund, sondern können sich von hier aus über den gesamten Körper ausbreiten. Wer eine Paradontitis hat, erleidet viermal häufer einen Herzinfarkt als Menschen mit gesundem Zahnfleisch, ergab eine 14jährige Studie an über 10.000 Menschen.

Außerdem: Frauen von frühgeborenen Kindern haben siebenmal häufiger Zahnfleischbluten als Mütter mit sogenannten Stichtag-Babys.

Über die Luftröhre können Keime in die Bronchien einwandern und eine Lungenentzündung hervorrufen; bei Diabetikern wird die Bauchspeicheldrüse durch Paradontitis geschwächt (das erschwert wiederum die medikamentöse Einstellung); künstliche Gelenke werden von den Bakterien besiedelt und es kann zur gefürchteten Prothesen-Lockerung kommen.

Mundhygiene – mehr als frischer Atem

Richtig putzen: Wer täglich seine Zähne mehrfach gründlich schrubbt – also die Zahnbürste waagrecht mit großen Bewegungen über die Zähne führt, schädigt mehr als er nützt. Besser von „rot zu weiß“ ausbürsten: Dazu setzt man die Bürste im 45º Winkel an den Zahnfleischrand. Danach vom Zahnfleischrand weg die Seitenflächen auswischen.

Nischen räumen: Auch mit der raffiniertesten Zahnbürste und der besten Putztechnik lassen sich so nur 60 Prozent der Zahnflächen reinigen. Die restlichen 40 Prozent befinden sich zwischen den Zähnen. Das Interessante: Diese vier Zehntel der Zahnfläche beherbergen mehr als 90 Prozent der Baktieren. Um sie zu beseitigen, hilft es nur, wenn wir Zahnseide und die so genannten Interdentalbürsten benutzen!

Hilfreiche Technik:  Wer geschickt ist, bekommt zwar mit einer normalen, weichen Zahnbürste alle Belege weg. Einfacher gehts mit einer Elektrischen. Wichtig: Achten Sie bei der Zahnpasta drauf, dass sie Fluoride enthält. 

Fit kauen: Kerniges, Korniges und Kräftiges reinigt die Zähne, massiert das Zahnfleisch. Zuckerfreies Kaugummi verkürzt nicht nur in der Werbung den Säureangriff nach dem Essen.

Zunge zeigen:  Auch eine Zungenbürste kann die Bakterienlast im Mund deutlich vermindern. Das Zungebürsten verhindert den so genannten Ping-Pong-Effekt – also das Hin- und Herwechseln der Erreger von Zähnen zu Zunge.

Bakterienjagd per Mundspray

Wissenschaftlich belegt ist z.B. die Wirkung der folgenden Pflanzen: 

Myrrhe: wird seit langer Zeit wegen ihrer antibakteriellen, entzündungshemmenden und zusammenziehenden (adstringierenden) Wirkung phytotherapeutisch eingesetzt.

Blutwurz: verfügt über adstringierende und, entzündungshemmende Eigenschaften. Sie wird häufig bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, des Zahnfleisches oder bei Reizungen des Rachens verwendet.

Ratanhia: verwendet werden die Wurzeln der aus den Anden stammenden Pflanze. Wie Blutwurz verfügt auch Ratanhia über Gerbstoffe, die adstringierend wirken.

Ätherische Öle: Neben den Extrakten enthält z.B. das Mundspray Repha OS auch ätherische Öle aus Minze, Eukalytus, Nelke und Anis. Diese wirken einerseits   über die vielfältigen pflegenden Effekte angenehm kühlend und sorgen für frischen Atem, und sie verfügen andererseits über antibakterielle Eigenschaften,

Kontakt: Praxis für Umweltzahnmedizin,  Dr. Cornelia Garnitz, Stadionstraße 65, 72461 Albstadt, Tel.: 07432/5247

Hinweis: Bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen anonymisierten Einzelfall. Der Erfahrungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Therapieergebnisse sind generell individuell. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch (Zahn-)Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient der medizinjournalistischen Information

© medizin-reporter.blog/André Berger

2 thoughts on “Pflegespray stoppt Zahnfleischentzündung – jetzt kann ich wieder sorglos lachen

  1. Das sind ein paar sehr nützliche und gute Tipps zur Mundhygiene. Gerade Zahnfleischbluten und Paradontitis sind nicht zu unterschätzen. Wer möchte schon gern einen Zahn verlieren und ein Zahnimplantat erhalten. Dem kann man einfach ohne viel Aufwand entgegen wirken.

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages