Ich dachte, mein Reizdarm wäre unheilbar – und dann kehrt nach zwei Wochen Frieden ein!

Nachklang. „Das sei eine neue Zivilisationskrankheit. Da könne man nichts machen. Am besten, ich fände mich damit ab, Reizdarm zu haben und somit übersensibel auf die Peristaltik – also Bewegungen des Darms – zu reagieren. Je eher ich lerne, meinen Bauch zu ignorieren, um so besser würde es mir gehen. Bis heute klingen die Sätze des Arztes im Anschluss an die ergebnislose Darmspiegelung vor zwei Jahren bei mir nach“, erzählt Tanja Karst kurz vor Ende des Interviews.

Dickköpfig. „Bereits zwei Jahre lang war ich damals von Arzt zu Arzt gepilgert. Fast war ich geneigt, dem Facharzt zu glauben, nur ,gefühlt‘ krank zu sein. Zum Glück habe ich weiter gesucht. Dass es mir einmal wieder so gut gehen könnte, wie jetzt in diesem Moment, hätte ich damals nicht für möglich gehalten!“, gibt die 48-jährige Hamburgerin zu.

Chaos. Die Kontrolle über ihren Bauch entgleitet Tanja Karst (Name auf Wunsch geändert) in Mitten des Sommers vor gut vier Jahren. Tagelang verhindern Krämpfe, Durchfälle und Schmerzen, dass die Verwaltungsangestellte ihre Wohnung im Hamburger Stadtteil Winterhude auch nur zum Einkaufen verlassen kann.

Verordnung. „Erst zum Ende der Woche fühlte ich mich so stabil, dass ich mich zum Hausarzt traute. Der tippte auf einen Magen-Darm-Infekt, empfahl mir Weizenkleie und Joghurt, warnte mich vor fetten und blähenden Speisen. Ansonsten verordnete er mir krampflösende Schmerzmittel, Wärme und ein bisschen Geduld – wenn es so leicht gewesen wäre!“

Erfolglos. Wochenlange hält sich Tanja pingelig an die medizinischen Empfehlungen. Trotzdem klingen die Beschwerden nicht richtig ab. Schlimmer noch: Lebensmittel, die sie in einem Monat gut verträgt, können im nächsten Monat zu unangenehmen Völlegefühl, Bauchdruck, Schmerzen führen. Die schlanke Frau sortiert mehr und mehr Produkte aus, ernährt sich abwechselnd gluten-, laktose- und fruktosefrei, greift zu teuren Ersatzprodukten. Kaum einen Ernährungstipp, den sie nicht ausprobiert – ohne wirklichen Erfolg.

Dramatisch. „2018 spitzte sich die Lage zu“, schildert sie den Tiefpunkt. „Vor Schmerzen konnte ich mich nicht aufrichten; kroch manchmal fast auf dem Boden. Mein Bauch war hart aufgebläht wie eine Trommel. Eine kurze Fahrt im Auto wurde zum Drama, als ich dringend zur Toilette musste – und ich in der Rushhour keinen Parkplatz fand. Erneut ersuchte ich den Hausarzt um Hilfe auf.“

Unbefriedigend. Es beginnt der übliche Diagnose-Marathon. Erst muss Tanja zum Gynälologen. Dann zum Atemtest, um Unverträglichkeiten auszuschließen. Dann geht es zur erwähnten, ergebnislosen Bauchspiegelung. An der Diagnose ändert sich nichts. Organisch ist bei Tanja Karst alles super. Der Darm weist keine erkennbaren Veränderungen auf. 

Versuch. „Meine ständigen Krankmeldungen fielen damals im Job auf. Von einer Kollegin bekam ich den Tipp, es mit Probiotika zu versuchen. Obwohl ich knapp 100 Euro pro Monat für verschiedenste Bakterienstämme zur Darmsanierung in der Apotheke ließ – richtige Linderung verschaffte mir die Einnahme nicht. Ich recherchierte trotzdem weiter, stieß im Internet auf Bimedical, die Praxis von Doktor Jörn Reckel in Ahrensburg bei Hamburg und seinem ganzheitlichen Konzept.“

Persönlich. „Frauen in Ihrem Alter sind häufig von so genannten nichtentzündlichen Beschwerden  betroffen,“ ermutigt sie kurz darauf der Allgemeinmediziner persönlich in seiner Sprechstunde. „Dass man im Rahmen der Darmspiegelung nichts findet, bedeutet nicht, dass da nichts ist. ,Reizdarm‘ ist eine Ausschlussdiagnose, die rasch gestellt ist.“

Spezialisiert. Dabei gibt es mit Pilzinfektionen und dem weiten Feld der Fehlbesiedlungen des Darmbioms weitere Ursachen für fieberlose Störungen der Verdauung, die mit Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen einhergehen. „Um individuell die richtige Therapie zu finden, ist eine gute Diagnostik wichtig,“ so der Arzt , der sich vor über drei Jahrzehnten auf die rationale Naturheilkunde unter anderem bei Verdaungsbeschwerden spezialisiert hat.

Hintergrund. Auch wenn wir sie nicht sehen, alleine sind wir nicht. Etwa 100 Billionen Bakterien leben auf unserem Körper. Allein auf der Schleimhaut des Darms tummeln sich schätzungsweise 1400 verschiedener Arten – in mehr oder weniger friedlicher Koexistenz mit uns. Je nachdem, was wir essen oder trinken, wie gestresst wir sind oder welche Medikamente wir einnehmen, tarriert sich die hochkomplexe Besiedelung neu aus.

Testung. „Per mikroökologischer Stuhluntersuchung können wir ein falsches Zusammenspiel von Mensch und Bakterien gut nachweisen“, erklärt Dr. Reckel seiner Patientin, gibt ihr ein entsprechendes Teströhrchen mit. Eine Woche später ist das Ergebnis aus dem Speziallabor da, und Tanja Karst kann mit dem Experten das Ergebnis besprechen.

Resultat. Tatsächlich sind bei ihr die fäulnisbegünstigenden E.coli-Bakterien erheblich erhöht. Dafür mangelt es an „guten“ Bifido- und Lactostämmen. „Jetzt einfach entsprechende Probiotika zu nehmen, löst keine Probleme,“ erläutert der Arzt. „Die erfolglose Selbstbehandlung zeigt, dass auf der Schleimhaut einfach keine Besiedelungsplätze frei sind. Die relativ teuren Probiotika würde sie einfach ausscheiden. Wir kümmern uns jetzt erstmal um die Darmschleimhaut. Der basisch veränderte pH-Wert begünstig Gärungs- und Fäulniskeime, die ein so genanntes Leaky gut-Syndrom erzeugen können.“

Tückisch. Normal profitieren nicht nur die Bakterien in unserem Bauch von der Nahrungsaufnahme – das so genannte Mikrobiom schützt auch die Darmschleimhaut vor schädlichen Stoffen. Fehlbesiedelungen führen dazu, dass diese Barrierefunktion geschwächt wird. Die Darmschleimhaut wird zunehmend stärker gereizt. Das schwächt erneut die Barrierefunktion. Schädliche Fremdeiweiße können leichter in den durchlässigen Darm diffundieren – ein Teufelskreis.

Befriedung. Um aus der Abwärtsspirale  zu entkommen und das System zu befrieden, verordnet Dr. Reckel seiner Patientin ein pflanzliches Kombi-Präparat aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle für die Darmschleimhaut. „Die Zusammensetzung hat sich seit über 60 Jahren bei Magen-Darm-Beschwerden bewährt“, erklärt der Mediziner, der viele Seminare bundesweit für Ärzte und Heilpraktiker anbietet. „Die drei Heilpflanzen greifen an verschiedenen Punkten an, verstärken sich gegenseitig. In diesem Fall ist eins plus eins plus eins gleich vier.“

Messwerte. Tanja nimmt jeweils dreimal am Tag drei magensaftresistente Tabletten. Zwei Wochen später, zum ersten Kontrolltermin, zeigt sich bereits eine erste, positive Wirkung, die die antientzündliche, krampflösende Myrrhe, die schleimhautpflegende Kamille und die reinigende Kaffeekohle im Darm entwickelt haben: die unruhige, schnelle Nahrungspassage hat sich beruhigt. 

Zusatz. „Anders gesagt: Die Darmbarriere war nicht mehr ganz dicht. Hatte sich nun aber wieder stabilisiert. Erst in dieser Situation macht es Sinn, mit einem  Probiotikum der Fehlbesiedelung entgegenzutreten,“ erklärt Dr. Reckel. „Zusätzlich schauen wir uns jetzt genau ihre Ernährung an, sortieren kohlenhydratlastige und schwer verdauliche Lebensmittel konsequent aus.“

Besserung. Mit Hilfe dieser Umstellung geht es Tanja Karst bereits am Ende des ersten Monats überraschend gut. Nach acht Wochen sind Stuhlhäufigkeit und -drang nahezu normal. Die quälende Gasbildung und die Darmgeräusche lassen nach. Sogar mit dem Durchfall ist es vorbei. „Eine weitere Kontrolluntersuchung nach einem viertel Jahr wies nach, dass alle Bakterienstämme im Normalmaß vorhanden waren. Insofern ermutigte mich Dr. Reckel, die Behandlung langsam ausschleichen zu lassen.“

Therapieende. „Dazu reduzierte ich zunächst die Myrrhe-Tabletten von dreimal drei auf zweimal drei  pro Tag. Dann reduzierte ich die Probiotika von der täglicher Einnahme auf alle zwei, drei, vier Tage. Als ich nach neun Monaten selbst bei wöchentlicher Einnahme keine Verschlechterung spürte, ließ ich die weg.“

Frischobst. Tanja Karst fühlt sich so stabil, wie seit vielen Jahren nicht mehr. „Inzwischen kann ich Dinge essen, von denen ich früher nur träumen konnte. Frisches Obst zum Beispiel oder auch mal ein Stückchen frisch vom Bäcker,“ strahlt sie. „Mein Bauch verträgt jetzt auch mal eine kleine Sünde. Ich darf es nur nicht übertreiben!“

Sechs Fragen an Dr. Jörn Reckel (71), Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt ganzheitlich-naturheilkundliche Darmtherapie

Wodurch kann es zu einer Fehlbesiedelung des Darms kommen? Dafür gibt es viele Gründe: Einseitige Ernährung, Säureblocker, Stress. Einer der häufigsten Auslöser ist sicher eine Behandlung mit Antibiotika. Eine Untersuchung der Stanfort University belegt, dass eine solche Behandlung die Zusammensetzung der Darmflora erheblich verändert. Nach drei bis vier Tagen sind etwa ein Drittel aller Bakterienarten unter Antibiotikagabe verschwunden.

Wie entsteht daraus das „Leaky gut-Syndrom“? Die Veränderung im Mikrobiom (der bakteriellen Darmbesiedelung) führt dazu, dass die Darmschleimhaut immer stärker von bakteriellen Stoffwechselprodukten gereizt wird und es zu chronischen Mikro-Entzündungen kommt. Das schädigt wiederum die Darmschleimhaut – ein Teufelskreis, der mit immer mehr Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen einhergeht.

Wann sollte ich bei Bauchproblemen generell zum Arzt? Halten Verdauungsbeschwerden länger als 14 Tage an, sollten diese generell ärztlich kontrolliert werden. Sofort zum Arzt sollten Sie bei Alarmsymptomen wie Fieber,  Blut im Stuhl, bei heftigen Schmerzen oder Krämpfen. Gleiches gilt wenn wässriger Durchfall länger als  drei Tage anhält.

Gibt es eine spezielle Darm-Diät? Ein gesunder Darm verträgt viel – auf Dauer können fettes Fastfood, süße Säfte,  Alkohol, Milch-, Frucht- oder Industrie-Zucker die über tennisplatzgroße Oberfläche des Darms durch vermehrte Gärung und Fäulnis aber belasten. Achten Sie deshalb auf eine leicht verdauliche Kost mit fettarmen, mild gewürzten, nicht blähenden, frischen Produkten. Also:  kalt gepresste Öle, mageres Fleisch, Fisch, Feinbrot, Nudeln und Kartoffeln, gedünstetes Gemüse Achtung: Vorsicht bei säurereichen Früchten, blähenden Zwiebeln, Lauch und Hülsenfrüchten – und vor zu viel Ballaststoffen.

Welche Heilpflanzen können mir helfen? Wenn Laboruntersuchungen, Ultraschall und Darmspiegelung ohne Befund bleiben, hat sich gerade bei Reizdarm, dominiert von Durchfall, Blähungen und Krämpfen die „rationale“ Phytotherapie mit Myrrhe bewährt. 

Was kann ich noch selber tun? Unser täglicher Stress schlägt uns gleich doppelt auf den Bauch. Zum einen kauen wir schlechter – und große Nahrungsbrocken sind schwerer verdaulich. Zum anderen wird unter Dauerstress das vegetative Nervensystem belastet. Dies steuert u.a. die Verdauung. Deshalb schlägt seelische Belastung direkt auf den Darm. Ein gutes Gegenmittel ist regelmäßige Entspannung – z.B. per Autogenem Training.

Selbsthilfe: So beruhigen Sie den Bauch

Das können Sie tun: Tagebuch führen Notieren Sie, was Ihre Beschwerden verursacht und vor allem wann sie auftreten (Tages- und Arbeitsrhythmus, Stress, Essen, Medikamente).

Locker lassen: Verringern Sie berufliche oder private Dauerbelastungen. Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training helfen Ihnen, den Alltagsstress besser zu „verdauen“.

Bewusster Essen: Trinken Sie viel Wasser oder Tee, das verhindert quälende Verstopfungen. Gereifte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir stabilisieren die Darmflora und regulieren die Verdauung auf natürliche Weise.

Wärmen & bewegen: Wärmflasche und feuchte Wickel lösen Verspannungen und Krämpfe. Kamillentee beruhigt den Darm. Bewegung löst verspannte Muskulatur, stärkt die Darmfunktion.

Steckbrief Myrrhe – Pflanze der Linderung

Die Myrrhe gehört zu den ältesten Heilmitteln der Menschheit und wurde schon von Hippokrates verwandt. Aktuell hat man an der Universität Leipzig die Wirkung am Darm untersucht und ihren Wirkmechanismus teilweise entschlüsselt. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Myrrhe den Spannungszustand der glatten Darmmuskulatur senkt, die Stärke der Darmkontraktionen verringert und dadurch Darmkrämpfe lindert. Auch entzündungshemmende und darmbarrierestabilisierende Wirkungen konnten belegt werden.

Wo kommt sie her? Man unterscheidet bis zu 200 verschieden Myrrhearten. Sie wachsen in den östlichen Mittelmeergebieten, Arabien und Ostafrika.

Woran erkenne ich sie? Der Myrrhenbaum ist ein bis zu drei Meter hoch wachsender, dorniger, stark verzweigter Baum mit rosafarbenen kleinen Blüten. Wird die Rinde des Myrrhe-Strauches eingeschnitten, tritt flüssiges Gummiharz aus, das an der Luft zu gelben Stücken erstarrt. Dieses  luftgetrocknete Harz wird als Myrrhe bezeichnet und enthält bis zu einem Zehntel ätherische Öle.

Wie wirken diese? Myrrhe wirkt desinfizierend und zieht die äußeren Schichten der Schleimhäute zusammen. Myrrhe zeigt weiter „antimykotische“ Wirkungen, bekämpft also Pilze und Hefen. Darüber hinaus hat Myrrhe entzündungshemmende („antiphlogistische“) Eigenschaften und fördert die Wundheilung („granulationsfördernd“).

Was ist drin? Das aus dem Myrrhenbaum gewonne, luftgetrocknete Harz wird als Myrrhe bezeichnet und enthält bis zu einem Zehntel ätherische Öle.

Schnelltest: Reagiert Ihr Darm gereizt?

1. Leiden Sie häufiger unter Bauchschmerzen bzw. Krämpfen im Ober- bzw. Unterbauch?

2. Leiden Sie unter Blähungen?

3. Leiden Sie öfter unter Durchfall und oder Verstopfungen als andere Menschen?

4. Treten die Beschwerden seit über sechs Monaten auf?

5. Ändert sich bei Ihnen des öfteren Stuhlkonsistenz und -häufigkeit?

Auswertung:

Ab zweimal „Ja“ leiden Sie unter typischen Beschwerden, die beim Reizdarmsyndrom auftreten. Um die Ursachen für die Beschwerden zu klären und andere Krankheiten auszuschließen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. 

Kontakt: BIMEDICAL – Praxisgemeinschaft für Ganzheitliche Medizin und Naturheilverfahren, Dr. Jörn Reckel, Lohe 1, 22926 Ahrensburg, Tel.: 04102 / 459945, www.bimedical.de

Kostenlose Broschüre: „Pflanzliche Hilfe beim Reizdarmsyndrom“ über pflanzli­che Arzneimittel, weitere Möglichkeiten der Naturheil­kunde und Expertentipps zum Umgang mit der Krankheit. Kostenlos bei Pflanzliche Darmarz­nei, Postfach 1107, 65741 Eschborn oder per E-Mail an info@pflanzliche-darmarznei.de

Kosten: Stuhltest und privatärztliche Beratung zur Darmsanierung sind keine Kassenleistung, liegen jeweils bei circa 100 Euro. Zur Selbstbehandlung kosten 100 Myrrhe-Tabletten circa 12 Euro (Apotheke). 

© medizin-reporter.blog/André Berger

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages