Heilfasten besiegte meine Rückenschmerzen

Die ersten Vorboten der Krankheit nimmt Vanessa Seifert (Name geändert) nicht selbst wahr – sondern ihr Pferd. „Anfang 2018 wunderte ich mich, dass ,Eclipse’ während der Dressur ungewohnt schief über den Parcur trabte,“ greift die 45jährige Chefsekretärin den Erzählfaden auf. „Schuld war – das realisierte ich aber erst später – nicht das Pferd, sondern ich! Durch eine unbewusste Schonhaltung hatte ich falsche Hilfen gegeben.“

Kurz nach Ostern kommt die Frau aus Bamberg morgens kaum noch aus dem Bett. „Ich fühlte mich wie eingerostet, saß ungelenk an der Bettkante – bis ich mich überwandt, steif wie eine lebende Salzsäule ins Bad zu schreiten. Die kleinste Bewegung sorgte für Schmerzen. Erst im Verlauf der täglichen Dusch- und Ankleide-Routine  wurde es allmählich besser.“

Tag für Tag quält sie sich ins Büro. Hat sie den Arbeitsplatz erreicht, ist Sitzen eine Wohltat. „Zur Mittagspause und zu Feierabend war mein Kreuz mit dem Kreuz wieder da. Ich fühlte mich wie Frieda Kahló im Selbstbildnis mit der gebrochenen Wirbelsäule – ein Leben in ständiger Sorge vor einer ungeschickten Bewegung.“

Als Ausgleich zum Dauersitzen im Job ging die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen normalerweise ein, zwei Mal pro Woche ins  Fitness-Studio. Davon kann Vanessa Seifert jetzt nur träumen. „Fast ein halbes Jahr biss ich die Zähne zusammen, hoffte auf ,Spontanheilung‘. Schließlich wandte ich mich an den Hausarzt. Es folgte eine ausführliche Untersuchung. Nach dem Röntgen erwartete mich die finale Diagnose. Der Radiologe erkannte eine beginnende Osteochondrose – eine Verschleißerkrankung der Wirbel und der Bandscheibe.“

Das Schlimmste: Außer einer unspezifischen Schmerztherapie und der Verordnung von fünf Sitzungen Krankengymnastik konnte der Arzt nichts weiter für die schlanke Frau mit den dunklen Haaren tun. „Die Veränderungen an den Bandscheiben und die damit verbundenen, immunologischen Prozessen an den Wirbelkörpern lassen sich generell schlecht beeinflussen. Im Prinzip müssen wir warten, bis die Entzündung innerhalb der nächsten sechs bis 18 Monaten von selbst ,ausgebrannt’ ist. Eine Osteochondrose kann nicht rückgängig gemacht werden. Die Therapie erfolgt ausschließlich Symptom-bezogen“, erklärt er Vanessa Seifert.

Die starken Schmerzmittel verträgt die Patientin leider gar nicht gut. „Ich bekam quälende Verstopfungen, musste die Dosis reduzieren. Mit der Verdauung kehrten aber auch die Rückenschmerzen zurück. An Krankengymnastik war nicht zu denken. Immer mehr fühlte ich mich den Beschwerden ausgeliefert!“
Die 48-Jährige googelt sich verzweifelt durchs Internet, stößt Ende 2019 auf die Klinik von Weckbecker in Bad Brückenau. „Ein spezielles Programm gegen Rückenschmerzen – das Osteo  intensiv-Programm – weckte meine Interesse.“

Im Herzen der Rhön wird seit über sechs Jahrzehnten wissenschaftlich anerkannte Naturheilkunde mit moderner Schulmedizin kombiniert. Bis heute fühlt man sich hier den traditionellen Werten des Klinikgründers, Erich von Weckbecker (1920–2005), verpflichtet.

„Für von Weckbecker war die ausgedehnte, idyllische Mittelgebirgslandschaft mit ihren Heilquellen die perfekte Umgebung für die ganzheitliche Umsetzung seines Behandlungskonzepts“, erläutert der  ärztliche Leiter Dr. Rainer Matejka (62) Vanessa Seifert. „Ausgangspunkt ist der Gedanke, die Gesundheit als ein harmonisches Zusammenspiel verschiedener Komponenten zu begreifen. In den meisten Fällen ist ,Rücken‘ – wie bei Ihnen – kein Schicksalsschlag aus heiterem Himmel. Hinter den Beschwerden stecken oft Fehlhaltungen und Überlastungen der Muskulatur, die durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung verstärkt werden.“

Erstes Ziel des zweiwöchigen, ganzheitlichen Osteo intensiv-Programms, für das sich die Frau angemeldet hat, ist die gezielte Entsäuerung beanspruchter Muskeln und Gelenke im Rahmen des Fastens, anschließend die statische Optimierung durch Osteopathie, Manuelle Therapie und Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht, stoffwechselanregende   Wasseranwendungen nach Kneipp  und das Wiedererlernen natürlicher Bewegungsmuster.

Das ärztlich geleitete Fasten ist dabei viel mehr, als nur das Essen wegzulassen. „Es geht auch darum, den Körper von den Schmerzmitteln zu entgiften“, erklärt der renommierte Naturheilkundler. „Andererseits steigt nach vier bis fünf Tagen die Ausschüttung des Hirnbotenstoffs Serotonin. Dies wirkt nachgewiesen schmerzlindernd. Hinzu kommt: Die Entlastung des Darms führt auch zu weniger Zug an der Wirbelsäule. Viele Patienten haben mir bestätigt, dass die Beschwerden im Lendenbereich spürbar nachlassen.“

Um den orthopädisch-physiologischen Problemen auf den Grund zu gehen , gibt es in der Malteser Klinik das Osteopathie-Zentrum, das Sebastian Wurster leitet. Der erfahrene Osteopath und Manualtherapeut arbeitet – wie der Name sagt – mit seinen Händen („manus“), erspürt Strömungen, Bewegungen und Spannungen im Körper, löst damit auch Blockaden. In Kombination mit diversen orthopädischen Tests kommt er damit der Ursache des Problems schnell auf die Spur.

„Unsere Erfahrung ist, dass ein Großteil der Probleme nicht ausschließlich direkt mit der Wirbelsäule zusammenhängen, sondern – ausgehend von Schonhaltungen –  von sogenannten muskulären Dysbalancen. Wichtig für uns ist, paarweise zu arbeiten: jedem Muskel ist ein Gegenspieler  zugeordnet. Wenn Dauersitzen z.B. dafür sorgt, dass sich  Hüftbeuger verspannen, müssen Strecker im Rücken mehr arbeiten, als ihnen guttut. Behandle ich diese Verspannungen , kann auch der Gegenspieler lockerer lassen“. Mein Team und ich betrachten neben den Muskeln u.a. auch die Organe, das Nervensystem und den psychischen Zustand des Patienten – und können somit eine ganzheitliche Lösungsstrategie entwickeln.

Täglich warme  Rückengüsse in der Kneippabteilung unterstützen die Muskelarbeit.  „Mit jedem Therapie-Baustein wurden meine Beschwerden besser“, berichtet Vanessa. „In der zweite Woche ging es bei der Osteopathie  darum, einerseits die Muskeln und deren Hüllen, die sogenannten Faszien, zu dehnen bzw. zu bewegen; andererseits schwächere  Muskeln gezielt zu stärken.“

Dank der Bündelung der verschiedenen Therapien erreichte die Frau gegen Ende der zweiten Woche tatsächlich Schmerzfreiheit – und zwar ohne irgendwelche Schmerzmittel.  „Mit Spannung fieberte ich dem Tag der Entlassung entgegen: nun galt  es, den Klinik-Effekt mit in den Alltag zu nehmen.“

Der Schritt gelingt. Bis heute sind die Schmerzen im Rücken verschwunden. Und auch das Reiten bereitet Vanessa wieder Freude. „Ich bin super happy“, strahlt sie sechs Monate nach der Auszeit in Bad Brückenau. „Das Beste ist, es ganz ohne Medikamente geschafft zu haben. Damit es so bleibt, mache ich diszipliniert die Übungen, die ich in der Klinik erlernt habe. Aber ich achte jetzt auch mehr auf die Ernährung, lasse entzündungsfördernde Lebensmittel, wie rotes  Fleisch weg, greife dafür mehr zu basischen Lebensmitteln, besonders Gemüse!“

Vier Fragen an Dr. Rainer Matejka (62), Chefarzt der Malteser Klinik von Weckbecker, Bad Brückenau

Wie entsteht eine Osteochondrose? Alles beginnt mit einer Überlastung der Bandscheiben. Diese festen Faserringe liegen zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule und dienen als Stoßdämpfer gegen Erschütterungen. Wie andere Körperteile zeigen auch Bandscheiben Abnutzungserscheinungen – je nach Belastung treten sie beim einen früher, beim anderen später auf. Der Verschleiß beginnt bereits ab dem 20. Lebensjahr. Ab dem 60. Lebensjahr sind über 90 Prozent aller Menschen von Verschleißerscheinungen betroffen. Aber: Nicht immer ist eine Osteochondrose schmerzhaft. Ein gewisser Verschleiß ist ganz natürlich.

Wie macht sich eine Osteochondrose bemerkbar? Die Osteochondrose ist ein schleichender Prozess. In der Regel ist dieser Befund ein Zufallsbefund im Röntgenbild oder MRT.  Ob die beklagten Rückenbeschwerden mit dem Befund zusammenhängen, kann allerderdings anhand der Bilder allein nicht geklärt werden.  Die Differenzierung zwischen Schmerzen, die von den Veränderungen an der Wirbelsäule ausgehen oder eher aus der Muskulatur kommen (was weit häufiger ist), ist schwierig und bedarf einer großen Erfahrung. Oft besteht auch eine Kombination aus beidem.

Was kann ich selber bei Rücken machen? Egal wo, bewahren Sie Haltung, also Brust raus und Kopf hoch! Wechseln Sie die Sitzposition, stehen Sie häufiger auf. In der Rückenschule oder im guten Fitness-Studio können Sie sich gezielt um den Aufbau von Bauch- und Rückenmuskulatur kümmern. Gut sind auch Schattenboxen (Qi Gong), Pilates und Autogenes Training. Wichtig ist der Wechsel von Belastung und Entlastung. Nordic Walking und Joggen fördert den Bandscheiben-Stoffwechsel.

Worauf sollte ich noch achten? Grundsätzlich sollten Sie bei Übergewicht versuchen, Gewicht zu reduzieren. Dazu kommt noch regelmäßige Bewegung. Hier reichen pro Woche schon dreimal 30 Minuten gesteigerte körperliche Aktivität aus. Last but not least: Ausgewogene, gesunde „mediterrane Kost“ mit viel Gemüse und pflanzlichen Fetten – und die Reduzierung von Süßgetränken .

Praxistipp – So fasten Sie richtig

Alle gesunden Menschen, die das Heilfasten ausprobieren wollen, sollten sich am besten von einer Fastengruppe anleiten lassen. Zuvor ist ein Check-Up beim Hausarzt sinnvoll, bei dem die  körperliche Verfassung, Gewicht und Blutdruck kontrolliert wird.

Kurzfasten zuhause: Wenn Sie zum ersten Mal fasten, sollten Sie sich am besten eine Woche Urlaub nehmen. Legen Sie den Entlastungstag  (kein Nikotin, Alkohol, Kaffee, Tee, Fleisch und Fisch) auf den Freitag. Ihre Fastengetränke erhalten Sie im Reformhaus. Gleiches gilt für die Gemüsebrühe. Glaubersalz oder Klistier gibt’s in der Apotheke.

Erster Fasten-Tag: Morgens Glaubersalz (20-40 g auf 500ml Wasser) oder Klistier. Mittags Gemüsebrühe oder -saft. Abends 1 Glas Obst- oder Gemüsesaft. Zusätzlich literweise Wasser.

Ab dem 2. Tag: Früchte oder Kräutertee mit 1/2 TL Honig zum Frühstück. Mittags Gemüsebrühe oder -saft. Nachmittags Früchte- oder Kräutertee. Abends ein Glas Obst- oder Gemüsesaft. Und soviel Wasser, wie Sie wollen. An jedem zweiten Tag erneutes Glaubern.

Fastenbrechen: Morgentee, danach in einer ruhigen Stunde am Vormittag Fastenbrechen mit 1 Apfel in Spalten geschnitten. Mittags leichte Suppe; Nachmittagstee, abends Suppe, Joghurt mit Leinsamen, Knäckebrot.

Zwei Aufbautage: Essen Sie möglichst leichte, ballaststoffreiche Speisen mit wenig Fett, kein Fleisch.

Gegenanzeigen: Wenn die Selbstheilungskräfte des Körpers insgesamt schwach sind, zum Beispiel bei Krebs. Auch bei einer Überfunktion der Schilddrüse oder einer  psychiatrischen Erkrankung  ist Fasten nicht empfehlenswert. Schwangere und stillende Frauen sollten ebenfalls nicht fasten.

70000 Bandscheiben-OPs – oft unnütz

Letztes Jahr litt jeder dritte Bürger an Rückenschmerzen – Frauen inzwischen genauso oft wie Männer. Nach Erkältungen ist das Zwicken im Kreuz zweithäufigster Grund, zum Arzt zu gehen. Dabei sind Rückenschmerzen eigentlich keine Krankheit, sondern Warnsignal, dass das komplizierte Zusammenspiel von Wirbeln, Bändern und Bandscheiben gestört ist. Rund 70000 Deutsche werden wegen eines Bandscheibenvorfalls jährlich operiert. Leider lindert der Eingriff in vielen Fällen die Schmerzen nur kurzfristig – so das aufsehenerregende Ergebnis einer Studie.

Eine Operation ist nach Auswertung von rund 1200 Fachartikeln nur dann das Mittel der besten Wahl, wenn eine akute Blasen-Mastdarm-Störung oder schwere Nervenausfälle vorliegen. Rückenschmerzen allein können auf lange Sicht oft genauso gut mit einer Kombination aus medikamentöser Therapie, Physiotherapie und Bewegung erfolgreich behandelt werden

Schnelltest: Wie gefährdet ist Ihr Rücken?

1. Haben Sie eine schiefe Wirbelsäule oder unterschiedlich lange Beine?

2. Treiben Sie regelmäßig eher selten Sport?

3. Müssen Sie beruflich viel sitzen oder stehen?

4. Bücken Sie sich viel oder heben Sie häufig schwer?

5. Sind die Absätze Ihrer Schuhe ungleichmäßig abgenutzt?

Auswertung:

Mit jeder positiven Antwort steigt Ihr Rückenschmerz-Risiko. Ein gezieltes Wirbelsäulen-Training durch verstärkte Dehnung der Rücken- und Bauchmuskulatur stabilisiert das komplexe Zusammenspiel von Wirbeln, Bandscheibe, Muskeln und Gelenken. Tipp: Bewegen Sie sich immer wieder mal, wenn sie lange sitzen müssen, zum Beispiel am Schreibtisch. Stillsitzen ist Gift für den Rücken. 

Kliniktipp: Malteser Klinik von Weckbecker, Fachklinik für Naturheilverfahren, Rupprechtstraße 20, 97769 Bad Brückenau, Tel.: 09741-830, Internet: http://www.weckbecker.com

Kosten: Die Malteser Klinik ist als Fachklinik für Vorsorge und Rehabilitation anerkannt. Nach  Antragsgenehmigung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten ganz oder teilweise.

Hinweis: Bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der Erfahrungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Therapieergebnisse sind generell individuell. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information

© medizin-reporter.blog/André Berger

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages