Schmerzfrei und beweglich dank eigener Blutplättchen

LEIDENSCHAFT. „Ich weiß, ich bin nicht mehr die Jüngste; und Squash ist auch nicht die  gesündeste aller Sportarten; und mit einer Kniearthrose ist ebenfalls nicht zu spaßen. Doch was soll ich machen – das Spiel, bei dem man abwechselnd mit einem Schläger einen kleinen Ball an die Stirnwand zurückspielt, bereitet mir einfach die größte Freude.“ Seit über 40 Jahren spielt Ingrid Radke (Name geändert) Squash. Und spätestens seitdem die ehemalige Schulungsleiterin aus München nicht mehr arbeiten muss, ist das rasante Ballspiel zum festen Bestandteil ihres Lebens geworden.

AKTIV„Drei bis viermal pro Woche stehe ich auf dem Platz. Es hat sich eine feste Freundes-Clique gebildet. Gemeinsam nehmen wir international an Turnieren teil. Nicht um zu gewinnen, sondern um mit Gleichgesinnten die Welt zu bereisen. Bis nach Neuseeland hat mich der Sport bereits geführt.“

BEFÜRCHTUNG. Vor diesem Hintergrund war Ingrid Radke nicht besonders motiviert, zügig zum Arzt zu gehen, als sich Mitte 2013 im rechten Knie die ersten brennend-beißenden Beschwerden einstellten. „Ich bin generell kein Mensch, der mit jedem Zipperlein zum Doktor läuft,“ räumt sie ein. „Doch diesmal konnte ich mir ziemlich gut vorstellen, was die erste Maßnahme wäre: mir meinen geliebten Sport zu verbieten. Deshalb ignorierte ich fast ein dreiviertel Jahr alle Qualen, die sich erst nach dem Spiel, später auch während des Matchs einstellten. Als es Anfang 2014 dann wirklich nicht mehr ging, entschloss ich mich, zum Orthopäden zu gehen.“

KONTAKT. Der Zufall kam der damals 54-jährigen zugute. Im Fernsehen sah sie eine Gesundheitssendung mit dem renommierten Sportmediziner Dr. Frank Styra aus München. Der leitende Orthopäde am Olympia-Stützpunkt Bayern war zum Thema Hyaluronsäure-Injektionen bei Arthrose ins Studio eingeladen worden. „Gleich am nächsten Tag rief ich in der Orthopädie am Stiglmaierplatz an, ließ mir einen Termin bei dem Experten geben. Meine Hoffnung war, dass ein Arzt, der Profi-Sportler betreut, eventuell ein bisschen großzügiger bei der Aktivität von Amateursportlern wie mir ist.“

REPARATURDie Hoffnung von Ingrid Radke wurde nicht enttäuscht. Nach einer ersten Kernspin-Untersuchung ist das Thema „Sportverbot“ oder – schlimmer noch – „Kniegelenkersatz“ seitens Dr. Styra erstmal vom Tisch. Aber auch das Thema „Hyaluron“ steht für den Orthopäden nicht im Fokus. „Diese reizlindernden Injektionen kann man zwar auch machen“, erklärt er seiner Patientin. „Aufgrund des Grades des Gelenkverschleißes möchte ich bei Ihnen den Fokus aber auf Reparatur und nachhaltige Erholung des Gelenks legen.“

INNOVATIONDazu steht in Deutschland seit kurzem ein spezielles Aufbereitungsverfahren des patienteneigenen Blutes zur Verfügung – die so genannte ACP Plasmatherapie. „Wenn wir aus dem Blut die großen, festen Bestandteile – also die roten und weißen Blutzellen – entfernen, verbleibt das so genannte plättchenreiche Plasma“, erklärt Sportmediziner und Orthopäde Frank Styra, der sich seit 15 Jahren mit  der Grundlagenforschung der innovativen Eigenblutspende befasst. „Diese hochpotente Flüssigkeit ist nicht nur reich an Proteinen, sondern enthält zahlreiche, wertvolle Wachstumsfaktoren.“

SPRITZE. Im Rahmen einer Gelenkinjektion aktiviert das plättchenreiche Plasma den so genannten „anabolen Stoffwechsel“ des Körpers. Biologische Baumaterialien wie Zuckermoleküle, Fett- und Eiweißsäuren werden in körpereigene Zellbestandteile eingebaut. „Durch diese komplexen Prozesse des körpereigenen Zellaufbaus können wir gezielt im Gelenk die Gewebeerneuerung anregen“, veranschaulicht Dr. Styra seiner Patientin.

EINWILLIGUNG. Ingrid Radke ist von dem Therapievorschlag sofort überzeugt. „Die Idee, körpereigene Zellen zu verwenden, war mir irgendwie gleich sympathisch“, berichtet sie. „Die Behandlung ist dabei relativ simpel: Aus der Armbeuge wird mir etwa 15 Milliliter venöses Blut für die sterile Doppelkammer-Spritze entnommen.“

ABLAUF. In einer Zentrifuge wird dann das Blut umgehend nach Serum und Plasma getrenntAnschließend wird in der inneren Kammer der ACP-Spezialspritze das goldgelbe, klare Plasma sicher und keimfrei in eine zweite Spritze übertragen und steht dann zur Injektion ins Gelenk bereit.

KUR-PLAN. „In der Praxis haben sich – je nach Größe des Gelenks – drei bis sechs Injektionen innerhalb einer Woche bewährt. Danach raten wir alle drei Monate zur Auffrischung der biologischen Therapie“, ergänzt Dr. Frank Styra. „Die Wirkung setzt nach etwa zwei Wochen ein.“

BEOBACHTUNG. So auch bei unserer sportlichen Ingrid. „Ich bemerkte, dass das Gelenk schlanker wurde und dass ich mein rechtes Bein wieder besser belasten konnte“, berichtet sie. „Nach vier Wochen Trainingspause fing ich dann langsam wieder mit dem Squash an. Erstaunlich: die Schmerzfreiheit hielt an.“

TRAINING. Nach und nach steigerte Ingrid Radke die Intensität. „Zwei Monate später nahm ich dann tatsächlich an einem Senioren-Turnier in Budapest teil. Ich wurde zwar nur Neunte. Trotzdem ging ich als Siegerin vom Platz: die Beschwerden im Knie blieben verschwunden!“

ENTWICKLUNG. Fünf Jahre sind seitdem vergangen. Und die „Unruheständlerin“ steht immer noch auf dem Squashplatz. „Alle zwei, drei Monate gehe ich zu Doktor Styra und hole mir eine Auffrischung. Klar, gibt schönere Dinge als so eine Spritze ins Knie. Aber Schlimmere gibt es auch.  Wichtig für mich ist, dass ich so lange wie möglich körperlich aktiv bleibe und auf dem Squash-Court stehen kann – denn das würde ich am liebsten auch noch mit 75 machen…“

Fünf Fragen an Dr. Frank Styra (52), Orthopäde und Sportmediziner, München

Wie kommt es eigentlich zur Arthrose? Der Gelenkverschleiß kommt meist mit dem Alter. Ab dem 30. Lebensjahr kann sich das Knorpelgewebe nicht mehr vollständig regenerieren. Es nutzt sich immer stärker ab – so lange, bis im Endstadium Knochen direkt auf Knochen reiben. Dadurch entstehen Entzündungen im Gelenk, die heftige Schmerzen verursachen. 

Was steht hinter den drei Buchstaben ACP genau? Die Behandlung mit Autologem Conditioniertem Plasma – kurz ACP – ist ein neuartiges Behandlungsverfahren zur Therapie verschleißbedingter Gelenkbeschwerden. Neben der sogenannten Arthrose hilft ACP auch bei akuten Muskelverletzungen wie einem Muskelfaser- oder Bänderriss und bei schmerzhaften Sehnenentzündungen.

Wie erfolgt die Behandlung? Für die ACP-Therapie wird Blut aus der Armvene entnommen. Durch ein spezielles Trennverfahren wird der Teil des Blutes gewonnen, der körpereigene, regenerative und arthrosehemmende Bestandteile enthält. Die so gewonnene körpereigene, biologische Lösung wird in das betroffene Gelenk, den Muskel oder die Sehne injiziert.

Wieso funktioniert die ACP-Therapie? Schon länger ist bekannt, dass die in unserem Blut enthaltenen Wachstumsfakoren Heilungsprozesse positiv beeinflussen können. Es werden Heilungs- und Aufbauprozesse im geschädigten Gelenk angeregt. Dadurch kommt es nicht nur zu einer signifikanten Linderung der Schmerzen, sondern auch zu einer schnelleren Regeneration und nachhaltigen Funktions-Verbesserung des Gelenks.

Was kostet die Behandlung? Im Gegensatz zu den privaten Krankenversicherungen übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten bislang nicht. Eine Spritze kostet etwa 140 Euro. Drei bis fünf sollte sich der Patient verabreichen lassen. Macht unterm Strich etwa 420 bis 700 Euro, die sich allerdings oft lohnen: Aktuelle Studien belegen, dass die ACP-Therapie der etablierten Hyaluronsäure überlegen ist.

Info: Darum ist das Knie so gefährdet

Das Knie ist einerseits das größte Gelenk des Menschen – aber auch sein empfindlichstes. Im Gegensatz zur Hüfte – wo ein stabiles Kugelgelenk sitzt, stößt in der Beinmitte nur der abgerundete Oberschenkelknochen auf eine ebene Gelenkfläche des Schienbeins. Schon geringe Veränderungen – angeboren oder verletzungsbedingt – können zur vorzeitigen Abnutzung und zu Schmerzen führen.

Gefahr „Schreibtisch“: Schlimmster Feind des Knies ist Dauersitzen. Einerseits wird durch die Ruhigstellung die Versorgung des Knorpels gestört. Denn wie ein Schwamm holen sich die Zellen bei jeder Schritt Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit. Andererseits wird auch die Beinmuskulatur unsymmetrisch (auf der Vorderseite länger, hinten dafür kürzer). Folge: Das Gelenk verliert seine Stabilität, bekommt gefährliches Spiel. Und die Verletzungsgefahr für den sensiblen Knorpel steigt an.

Selbsthilfe: So schützen Sie Ihre Gelenke

Wie ein Schwamm holt sich der Knorpel bei jeder Bewegung Nährstoffe aus der Gelenkenflüssigkeit. Fehlverstandene Schonung führt bei Arthrose zur weiteren Schwächung des Knorpels. Dagegen  hilft regelmäßiges, gelenkschonendes Training wie Aquajogging, Radfahren oder Nordic Walking (mit Stöcken) den Knorpelverschleiß abzubremsen. Außerdem schützt eine trainierte Muskulatur das Gelenk vor Verletzungen.

Ernährung. Aber auch unser täglich Brot entscheidet mit über den Verlauf der Arthrose. Obst & Gemüse wirken abschwellend. Die enthaltenen Vitamine fangen zerstörerische Stoffwechselprodukte ein. Auch sorgen sie für einen ausgeglichen Basen-Haushalt. 

Arachidonfettsäuren befeuern die Entzündung. Da Leberwurst, Eigelb, Schweineschmalz und Schweinefleisch davon viel enthalten, sollten Sie diese Lebensmittel meiden.

Getreide stärkt mit dem Zink- und Vitamin B6-Reichtum den Knorpel. Auch gut: Weizenkeime (Vitamin E). Lachs und Hering enthalten viel Omega-3-Fettsäuren, die antientzündlich wirken.

Schnelltest: Droht mir eine Knie-Arthrose?

1. Spielen Sie regelmäßig Tennis, Squash, Basket-, Volley- oder Handball?

2. Sitzen Sie berufsbedingt lang am Schreibtisch, oder müssen Sie sich häufig bücken?

3. Gibt es in Ihrer Familie Fälle vorzeitiger Arthrose?

4. Haben Sie X- bzw. O-Beine, oder hatten Sie bereits eine Kniegelenksverletzung?

5. Wird Ihr Knie gelegentlich dick und schmerzt es morgens manchmal?

Auswertung:

Bereits bei einmal „Ja“ stehen Ihre Gelenke unter Stress. Sie sollten anfangen, mehr auf die Bio-Scharniere zu achten und ihnen Gutes tun. Ab zweimal „Ja“ besteht Verdacht auf eine Arthrose. Sprechen Sie Ihren Arzt beim nächsten Besuch darauf an.

Arztkontakt: Orthopädie am Stiglmaierplatz, Dr. Frank Styra, Nymphenburger Straße 1, 80335 München, T.: 089-521310 Email: praxis@orthopaedie-stiglmaierplatz.de, Internet: www.orthopaedie-stiglmaierplatz.de

Mehr Infos zu ACPwww.acp-therapie.de

Hinweis: Bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der Erfahrungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Therapieergebnisse sind generell individuell. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information

© medizin-reporter.blog/André Berger

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages