Ein natürlicher Schleimlöser befreite meine chronisch belegten Bronchien

ATTACKE. „Hinterher“ fühlte sich Sabine Hinsch, als hätte sie Bankdrücken im Fitness-Studio gemacht. Dann schmerzte der gesamte Oberkörper, und die Atemmuskulatur brannte. Am angenehmsten fand sie es, in Schonhaltung eingekrümmt auf dem Bett zu liegen, neue Kraft zu tanken und abzuwarten,  Denn manchmal hatte die 42jährige Schwerinerin Glück und für eine Stunde oder länger Ruhe nach so einer Husten-Attacke. 

HOCHDRUCK. Manchmal aber auch nicht. Und dann setzte ihr Erkältungshusten Kräfte in Orkanstärke frei. Schon beim einfachen Blaffen spürte Sabine Hinsch, wie die Luft in den Bronchien zusammengepresst wurde, um mit hoher Geschwindigkeit aus der Lunge über Luftröhre und Kehlkopf zu entweichen. „Dabei wurde viel zäher Schleim nach außen befördert Je länger der Husten anhielt, um so eindringlicher das Gefühl, dass die Bronchien regelrecht wundgekeucht waren“, blickt Sabine Hinsch zurück auf das letzte Jahr.

GEDULD. „Irgendwann gegen Ende 2018 hatte sich dieses Hüsteln eingestellt“, erinnert sie sich. „Nichts besonderes; Geht schon wieder weg. Hat ja jeder mal – dachte ich. Und wartete auf das Ende der Erkältung. Doch so leicht machte es mir der Husten nicht.“

REZEPT. Als nach sechs Wochen die Nase frei und der Rachen abgeschwollen war, war da immer noch dieser lästige, hartnäckige Reizhusten. Vor allem nachts und am frühen Morgen verlangte er der Kellnerin alles ab. „Nach sechs Wochen ging ich zum Hausarzt. Der horchte mich ab, schloß TBC, Diphterie und Keuchhusten aus und schob mir ein Rezept mit einem Schleimlöser über den Schreibtisch. ,Das wird schon wieder’, tröstete er mich. ,Haben Sie ein Geduld. Und inhalieren Sie regelmäßig.“

RÜCKFALL. Tatsächlich wurde es mit Hustensaft und Inhalationen besser. Richtig gut wurde es allerdings nicht: Schon beim kleinsten Schnupfen kehrte auch der Husten zurück. Aufgrund der Hartnäckigkeit entschied irgendwann der Arzt, Sabine Hinsch ein Antibiotikum zu verordnen. „Nach der Hälfte der Packung merkte ich, dass die Tabletten auf den Darm schlugen. Nach jeder weiteren Einnahme fühlte ich mich kränker. Aufhören durfte ich nicht: Der Arzt hatte mich eindrücklich auf das Risiko der Resistenzen hingewiesen.“ (s. Kasten)

RÜCKFALL. Keine drei Wochen später lag Sabine wieder flach. Wie das Jahr für die Kellnerin geendet hatte, ging es auch Anfang 2019 weiter. „Ein Nieser eines Gastes im Restaurant reichte, damit ich umgehend auf der Nase lag. Logerischerweise führte das zu immer mehr Probleme mit meinem Chef. Um mich vor dem nächsten Infekt zu schützen, zog ich mich bewusst zurück.“

WENDUNG. Von einer Freundin bekommt sie dann den Tipp, sich an die Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Dr. Sylvia Schnitzer (54) in Grevesmühlen zu wenden. „Ich suchte einen Arzt, der sich auf das Immunsystem spezialisiert hat. Denn eines wollte ich nicht: weiter Antibiotika nehmen!“

PROJEKT. Ein wichtigstes Ziel der HNO-Ärztin aus Grevesmühlen ist tatsächlich den überflüssigen Einsatz von Antibiotika zu vermeiden. „Laut Schätzungen ist fast jede zweite Verordnung des Bakterien-Killers bei Erkältungskrankheiten überflüssig – da in der Regel Viren die Auslöser sind.“, erläutert sie ihrer Patienten. „Eine unkritische Anwendung von Antibiotika ist dabei nicht nur belastend für den Körper, sondern birgt auch das Risiko von Resistenzen. Deshalb nehmen wir am so genannten Resist-Programm teil.“

ZERTIFIKAT. Das zertifizierte Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung hat das Ziel, durch bewussteren Umgang mit dem Medikament, Resistenzbildungen sowie vermeidbare Neben- und Wechselwirkungen von Antibiotika zu reduzieren. (Info www.kbv.de)

BERUHIGUNG. Auch Sabine Hinsch konnte Dr. Sylvia Schnitzer nach der Erst-Untersuchung beruhigen: „Alle allgemeinen Symptome bei Ihnen sprechen für einen Virusinfekt. Insofern machen Antibiotika auch gar keinen Sinn.“ Dafür diagostizierte der Arzt nach ausführlichem Abklopfen, Abhorchen und Inspektion des Halses eine hartnäckige Erkältung, die in eine spastische Bronchitis übergangen ist. 

KOMPLEMENTÄR. Als Sofortmaßnahme greift die  Doktorin Schnitzer komplementärmedizinisch auf ein pflanzliches Arzneimittel zurück – auf Andorn-Bronchialtropfen. „Die Arzneipflanze des Jahres 2018 nannte bereits Parcelsus den ,Arzt der Lunge’“, erklärt sie Sabine Hinsch. „Aufgrund ihrer schleimlösenden, antientzündlichen und schmerzlindernden Wirkung wird Andorn traditionell bei Atemwegserkrankungen wie trockenem Husten und akuter, sowie chronischer Bronchitis lindernd eingesetzt.“

STÄRKEND. Um die körpereigene Infektabwehr im Kampf gegen die Erkältungsviren zu unterstützen, kommt zusätzlich ein Senfölgemisch aus Kapuzinerkresse und Meerrettich auf das grüne Rezept für die Patientin. Und Vitamin D3 und Zink zur Pflege der Schleimhaut.

LINDERUNG. „Die Senföle wirken nicht nur gegen die Auslöser von Erkältungskrankheiten – sprich die krankheitsverursachenden Viren. Die Pflanzenstoffe bekämpfen zudem auch Bakterien,  können dadurch das Auftreten einer zusätzlichen bakteriellen Infektion vermeiden. Diese so genannte Superinfektion setzt sich häufig nach einem Virusinfekt ,oben drauf’.   Und dank ihrer antientzündlichen Wirksamkeit unterstützt die Senfölkombination auch eine schnelle Besserung der schmerzhaften Beschwerden,“ ergänzt die Ärztin

WIRKUNG. Noch am selben Tag holt sich Sabine Hinsch die Heilpflanzen-Präparate Marrubin Bronchialtropfen und Angocin Anti-Infekt aus der Apotheke, nimmt jeweils dreimal täglich vom Andorn-Fluidextrakt 40 Tropfen und  vier Tabletten des Senföl-Präparats. „Bereits am zweiten Tag wurde es merklich besser“, freut sich die 42jährige. „Der Husten ließ nach. Nach einer Woche waren die  Beschwerden komplett weg. Dafür stellte sich das langvermisste Gefühl der gesundheitlichen Robustheit ein. Jetzt nehme ich zur Vorbeugung nur noch ab und zu zwei mal zwei Tabletten – z.B. wenn mal wieder im Restaurant Schnupfen umgeht. Außerdem esse ich ganz viel Obst und Gemüse und trinke zwei Liter leicht warme Getränke wie Kamillen- und Pfefferminztee. Dank dieser Empfehlungen von Frau Doktorin Schnitzer fühle ich mich endlich richtig fit und gesund!“

Fragen an den Experten Dr. Sylvia Schnitzer (54), Fachärztin für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Grevesmühlen

Wie schütze ich mich am besten vor Erkältungen? Fast jede Erkältung wird von Viren verursacht, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Also vor allem durchs Anhusten und Anniesen. Schützen Sie andere, indem Sie an besten in die Ellenbeuge niesen oder husten. Ansteckungsgefahr besteht aber auch durchs Händeschütteln – deshalb ist regelmäßiges, gründliches Händewaschen der beste Schutz. Alternativ verzichten Sie in der Erkältungszeit einfach auf den freundlichen Händedruck oder die Umarmung.

Und wie sieht es mit der täglichen Ernährung aus? Da ist zu allererst trinken zu nennen. Ausreichend Flüssigkeit ist der beste Schutz für die Schleimhaut von Nase und Lunge. Faustformel 30 Milliliter pro Kilo Körpergewicht. Bei 60 Kilo sind das dann 1,8 Liter – vorausgesetzt Ihr Herz ist gesund. Sonst fragen Sie Ihren Arzt. Mein Extratipp ist dann noch Vitamin D (mindestens 3000 bis 4000 Einheiten pro Tag).

Stimmt es, dass ich mit Sport mich ebenfalls schützen kann? Halten Sie sich viel an frischer Luft auf und gehen Sie regelmäßig  – gemütlich! – spazieren. Dadurch werden die Atemwege stärker durchblutet. 

Worauf sollte ich im Akutfall achten? Sehen Sie Fieber als ihren Verbündeten an, nicht als ihren Gegner. Mit Fieber bekämpft der Körper die Krankheitserreger. Lindernd wirkt ein Vollbald mit einer Wassertemperatur von ein bis zwei Grad unter der aktuellen Körpertemperatur. Das reicht, um das Fieber mild abzusenken. Gleichzeitig werden noch die Atemwege befeuchtet. 

Haben Sie noch einen Tipp gegen den Husten? Dampf-Inhalationsbäder mit Salz kurzfristig zwei bis drei Tage, Kamille- oder Salbeiextrakte regen die Selbsteinigung der Atemwege an und pflegen sie. 

Kasten

HUSTEN – Ein Stiefkind in der Medizin

Über Husten gibt es hierzulande praktisch keinerlei Forschungsarbeiten. Selbst von Ärzten wird er oft als „Befindlichkeitsstörung“ abgetan. Dabei ist Husten weit mehr als nur ein Schutzreflex bei verunreinigter Atemluft oder lästiges Symptom einer Erkältung. Über 300 verschiedene Ursachen können sich hinter dem Bellen, Giemen und Keuchen verbergen. Von ernsten Infektionen wie Tuberkulose, Keuchhusten oder Diphterie, bis hin zu Asthma, Pseudokrupp oder Mukoviszidose – nicht zu vergessen Lungenembolie, Lungenkrebs oder Linksherz-Versagen. Aus diesem Grund sollte jeder Husten spätestens nach zwei Wochen ärztlich kontrolliert werden.

Und selbst ein vermeintlich schlichter Erkältungshusten, wie ihn fast jeder Mensch hierzulande einmal pro Jahr entwickelt, kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen und darf nicht unterschätzt werden. Mehr als 20 Muskelpaare sind daran beteiligt, wenn in der Lunge die Atemluft extrem zusammengepresst wird und dann mit über 450 Stundenkilometern beim plötzlichen Öffnen des Kehlkopfes entweicht.

Je länger Husten anhält, desto größer die Gefahr, dass sich eine Bronchitis entwickelt. Im Normalfall produzieren die Bronchien täglich etwa 100 Milliliter Schleim, der über den Tag abgeräuspert wird. Bei einer Erkältung oder Entzündung wird dieser Schleim zähflüssig und verklebt die Flimmerhärchen, die für den Abtransport sorgen. Am Ende kann sich so eine Lungenentzündung entwickeln.

Kasten Resistenzen

Laut Schätzung wird etwa jedes zweite Antibiotikum unnötig eingenommen. Besonders problematisch ist die zunehmende Resistenzentwicklung von Keimen gegenüber den gängigen chemisch-synthetischen Antibiotika. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben in Europa jährlich rund 25000 Patienten infolge einer Infektion mit resistenten Keimen – Tendenz steigend.

Das Problem: die Unempfindlichkeiten nehmen deutlich schneller zu, als die Neu-Entwicklung entsprechender Medikamente. Einen Weg zur Entschärfung des Resistenzproblems sehen Experten daher im alternativen Einsatz von antibiotisch wirksamen Pflanzeninhaltsstoffen wie den Senfölen aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Der Einsatz des Senfölgemischs bei unkomplizierten Atem- und Harnwegsinfekten sei eine gute Option, um die Ausbreitung resistenter Keime zu bremsen.

Weitere Infos unter www.pflanzliche-antibiotika.de

Steckbrief Andorn

Andorn (Marrubium vulgare L.) ist heutzutage als Heilpflanze fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Das ist schade, denn die Wirkung der traditionsreichen Arzneipflanze des Jahres 2018 und ihre herausragende historische Bedeutung ist umfangreich dokumentiert. Bereits der griechische Arzt Disokurides beschrieb ihre schleimlösende Wirkung. Und auch bei Hildegard von Bingen taucht  Andorn auf.

Wo kommt er her? Andorn gehört zur Familie der Lippenblütler und stammt ursprünglich aus Südeuropa.

Woran erkenne ich ihn? Der Gemeine Andorn ist eine mehrjährige Staude. Sie wird cica 60 Zentimeter hoch. Auffallend sind die vielen weißen Blüten, die dicht gedrängt in den Blattachseln sitzen

Was ist drin? Die gefäßerweiternde, krampflösende, antimikrobielle und schmerzlindernde Heilwirkung von Andorn wird hauptsächlich dem Bitterstoff Marrubiin zugeschrieben. Aktuelle Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass solche Bitterstoffe auch eine Stärkung des Immunsystems bewirken könnten.

Wann hilft es? Die Pflanze wird zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen eingesetzt.

Schnelltest Welchen Hustentyp habe ich?

  • Fühlt sich der Husten schmerzhaft und trocken an?
  • Wird beim Husten pro Tag weniger als zwei Esslöffel schleimiges Sekret mitausgestoßen?
  • Spüren Sie den Husten vor allem im Mund- und Rachenraum?
  • Ist der Oberkörper beim Husten eher weniger beteiligt?
  • Haben Sie eher das Gefühl, dass die Atemwege trocken und rauh sind?

Auswertung: Jede positive Anwort erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an einem trockenen Reizhusten leiden. Im Gegensatz zum produktiven, verschleimten Husten erfüllt der trocken Husten keine Reinigungsfunktion, sondern reizt die Bronchien. Natürlich kann dieser Selbsttest keine ärztliche Untersuchung ersetzen. Anhaltenden Husten sollten Sie immer ärztlich kontrollieren lassen – insbesondere bei Fieber über 39 Grad.

Wichtig: bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der Erfahrungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Therapieergebnisse sind generell individuell. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information

© medizin-reporter.blog/André Berger

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages