Instabil. „Das Brennen und Drücken im Bauch traten zum ersten Mal auf, als ich siebzehn oder achtzehn Jahre alt war“, erinnert sich Maja Simon (39, Name geändert). „Damals dachte ich, ich hätte zu viel fette Pizza gegessen. Nach einer Nacht mit einer Wärmflasche im Bett ging es mir am nächsten Morgen zwar besser. Stabil gesund war ich jedoch nicht. Ein, zwei Wochen später war das Gefühl wieder da – als würde sich eine Faust in meine Magengrube graben.“
Isolation. Waren Druckgefühl, Übelkeit und Schmerz lästig, bedeutete die Chronifizierung einen erheblichen Verlust an Lebensfreude für Maja Simon. „Während sich Kommilitoninnen und Kommilitonen verabredeten, zusammen feierten, isolierte ich mich in meiner Studentenbude und versteckte mich hinter meinen Büchern,“ blickt die Diplom-Biologin zurück. „Letztendlich war es für mich kaum vorhersagbar, wann der Reizdarm wieder zuschlagen würden.“
Irritierend. Nachdem sich die Vermutung vom ,falschen Essen‘ nicht bestätigte, dachte Maja Simon, dass sie wohlmöglich unter einer Unverträglichkeit litt. „Da ein Laktose-Test allerdings unauffällig blieb, bildete ich mir zeitweise ein, dass es am Prüfungsstress lag“, so Maja. „Aber auch das war es nicht. Nach bestandenem Examen und selbst im Urlaub – nie hatte ich Ruhe vor meinen Verdauungsproblemen.“
Intim. Gut ging es Maja nur, wenn sie nichts aß. War sie mit Freunden unterwegs, vermied sie jede Form von Nahrung. Später, als sie arbeitete, verzichtete sie regelmäßig aufs Mittagsessen, machte lieber früher Schluss, um zu Hause zu essen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit konnte sie sich hinlegen. Hier hatte sie ein WC in der Nähe. „Die Beschwerden verschwanden erst, wenn alles verdaut war. Dafür musste ich an manchen Tagen fünf bis achtmal zur Toilette“ erzählt sie. „Wieder und wieder suchte ich ärztliche Hilfe.“
Ironie. Doch wen Maja auch fragte, wirkliche Hilfe fand sie nicht. Anfangs versuchte die Hausärztin sie zu beruhigen: „Sie sind kein Einzelfall. Wir schätzen, dass inzwischen jeder Dritte ab und zu Probleme mit dem Bauch hat. Eines der häufigsten Beschwerdebilder ist dabei – wie bei Ihnen vermutlich – das so genannte Reizdarmsyndrom (RDS).“
Indifferent. „Ob es wirklich Reizdarm ist, kann ich ohne genaue Diagnostik nicht sagen“, zweifelte später der Gastroenterologe die Diagnose an. „Frauen zwischen 20 und 40 leiden unter diversen, krampfartigen Bauchschmerzen –, oftmals begleitet von Völlegefühl, Blähungen, Durchfall im Wechsel mit Verstopfungen. Korrekt lässt sich ein Reizdarm nur durch Aussschluss anderer Krankheiten wie zum Beispiel Morbus Crohn, Darmkrebs oder auch Abführmittel-Missbrauch stellen.“
Internet. Das Ganze mündete in eine jahrelange Diagnostik-Odyssee. „Immer wieder stand eine Magen- oder Darmspiegelung an. Dazu kamen diverse Ultraschalluntersuchungen, Atem-, Blut- und Stuhltests. Gefunden wurde jedesmal nichts.“ Erst als sich Maja Simon Ende letzten Jahres mit der Ausschluss-Diagnose „Reizdarm“ fast abgefunden hatte, stieß sie im Internet auf einen Bericht über ein neue Untersuchungsmethode der „Blackbox“ Darm.
Integrativ. An der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde in Bamberg wird die so genannte konfokale Laserendomikroskopie – kurz CLE – bei funktionellen Darmbeschwerden wissenschaftlich evaluiert. „Um endlich Klarheit über meine Verdauungsprobleme zu bekommen, war ich sehr glücklich, als meine Hausärztin mich für zwei Wochen in die Klinik überwies!“
Indiz. „Die konfokale Laserendomikroskopie (CLE) ist eine neue Untersuchungsmethode mit deren Hilfe wir die Darmbarriere in Funktion und Echtzeit beobachten und beurteilen können,“ erklärt der Gastroenterologe Professor Langhorst. „Bei gesunden Menschen sorgt dieser eng miteinander verbundene Zellverband dafür, dass Flüssigkeit und nützliche Nähr- und Mineralstoffe aus dem Verdauungstrakt in den Blutkreislauf hinüberwechseln können, giftige Eiweißmoleküle und schädliche Mikroorganismen dafür im Darm verbleiben und weiter Richtung Ausgang transportiert werden.“
Irregulär. Durch Entzündung, Stress, Medikamente (Antibiotika, Schmerzmittel), aber auch Nahrungsmittel kann es zu einer Schädigung der Schleimhaut-Barriere kommen, so die medizinische Erklärung, die auch Leaky Gut genannt wird.
Invivo. „Mit der CLE können wir die Fehlfunktion in der Darmbarriere unter 1000facher Vergrößerung erstmals sichtbar machen. Dazu führen wir im Rahmen einer Magenspiegelung das Endoskop bis zum Zwölffingerdarm vor, applizieren gezielt nacheinander potentiell problematische Lebensmittel, wie Soja, Hefe, Weizen, Milch. Gleichzeitig geben wir über die Vene ein Kontrastmittel. Tritt das Kontrastmittel nach Gabe eines der fünf bis sechs Testnahrungsmittel aus der Schleimhaut in den Darm aus, können wir das mit dem Lasermikroskop live verfolgen. Das Faszinierende: Die Störung der Darmbarriere ist kein Dauerzustand. Bereits eine gute viertel Stunde später kann die Darmbarriere wieder vollkommen normal aussehen.“
Irritation. Das Problem ist, dass in diesem Zeitfenster Reizstoffe durch die Darmwand hindurchschlüpfen und das Immunsystem provozieren können. Es beginnt ein sogenannter Nicht-IGE-gesteuerter Prozess, das heißt ohne den körpereigenen Botenstoff „Immunglobulin E“ ist dieser Prozess zwar keine klassisch allergische Reaktion, führt aber zu den typischen Verdauungsbeschwerden eines Reizdarms.
Instruktion. „Um unseren Patienten daraus zu helfen, empfehlen wir ihnen als erstes eine mehrwöchige Karenz – also Vermeidung – des oder der festgestellten Reizstoffe. Erste Studienergebnisse belegen, dass eine solche Diät bei jedem zweiten Patienten die Darmbarriere so weit stabilisiert, dass der ehemalige Reizstoff im weiteren Verlauf wieder problemlos vertragen wird“, erklärt Professor Dr. Jost Langhorst (58).
Innovation. Parallel dazu behandelt man in Bamberg die Darmbarriere klassisch naturheilkundlich. „Das liegt auch daran, dass für funktionelle Darmbeschwerden schulmedizinisch fast keine nachhaltig wirksamen und nebenwirkungsarmen Medikamente zur Verfügung stehen,“ so Langhorst. „Dagegen ist zum Beispiel die positive Wirkung der Arzneipflanze Myrrhe bei Durchfall, Blähungen und Krämpfen nicht nur traditionell seit langem bekannt, sondern inzwischen auch durch mehrere Studie wissenschaftlich belegt. Der Effekt ist dabei so stark, dass Myrrhe in Kombination mit Kamille und Kaffekohle sogar zur Behandlung der schubfreien Phase von Colitis ulcerosa – einer chronischen Entzündung des Darms – in die offiziellen ärztlichen Behandlungsleitlinien aufgenommen worden ist.“
Impuls. Zusätzlich kommen während des stationären Aufenthalts von Maja Simon weitere Naturheilverfahren zum Einsatz wie entkrampfende Bauchauflagen mit Kümmelöl, eine umfassende Ernährungsberatung, verschiedene Entspannungsverfahren wie Chi Gong und Yoga. „In meinem Fall konnte mit der konfokalen Laserendomikroskopie die pathologische Reaktion auf eines der getesten Lebensmittel nachgewiesen werden. Der Erfolg der Therapie stellte sich bereits Tage später ein. Statt bis zu zehn Mal pro Tag musste ich nur noch ein- bis zweimal zur Toilette“, strahlt sie zufrieden. „Zum ersten Mal konnte ich mich auf das Essen richtig freuen und auch mit Appetit zugreifen. Es ist für mich ein Wunder und ein großes Glück, dass ich nach zwanzig Jahren meine Verdauungsbeschwerden endlich im Griff habe!“
Vier Fragen an den Magen-Darm-Experten, Professor Dr. Jost Langhorst (58), Bamberg
Wieso setzen gerade Sie als Gastroenterologe und Schulmediziner auf die Naturheilkunde? Bei chronischen Verdauungsbeschwerden wie funktionellen Darmbeschwerden ist die Dauer-Therapie mit synthetischen Medikamenten häufig nicht nachhaltig wirksam und mit relevanten Nebenwirkungen verbunden. Grund ist unter anderem die sensible Darmflora, die sogenannten Mikrobiota mit ihren rund 100 Billionen Bakterien. Mindestens 500 verschiedene Arten bilden hier ein empfindliches Gleichgewicht, das durch synthetische Medikamente erheblich verändern werden kann.
Was belastet noch unseren Darm? Häufig nehmen ungesunde Ernährung, Umweltgifte, aber auch psychische Belastungen wie Stress oder Angst Einfluss auf die Verdauung. Neueste Forschungen haben ergeben, dass jeder einzelne Faktor eine Rolle spielen kann. Die Folgen reichen von kurzfristigen Verdauungsstörungen nach einem reichhaltigen Mahl bis hin zu chronischen Darm-Erkrankungen.
Welche phytotherapeutische Alternative können Sie ihren Patienten anbieten? Eine gut verträgliche Ergänzung bei entzündlichen Erkrankungen stellen Kombinationspräparate mit Myrrhe dar. Die gute Verträglichkeit ermöglicht auch die langfristige Behandlung verschiedener Beschwerden auf einmal (Durchfall, Blähungen, Krämpfe)
Wie wirkt die Heilpflanze? Myrrhe wirkt „adstringierend“, das heißt, sie zieht die äußeren Schichten der Schleimhaut zusammen. Außerdem ist sie entzündungshemmend, kann Darmkrämpfe lindern, eine gestörte Darmbarriere wieder abdichten und die Versorgung der Darmschleimhaut verbessern. Der Effekt entsteht unter anderem durch eine Stabilisierung der Schleusen der Darmschleimhaut, der so genannten „Tight Junktions“.
Reizdarm: Frauen sind doppelt so oft betroffen
Frisches Obst, knackiger Salat, leckeres Gemüse – über zehn Millionen Deutsche können davon nur träumen. Vielen bereitet gerade das aktuelle Marktangebot Bauchschmerzen: Obwohl medizinisch diagnostizierbare Veränderungen (zum Beispiel durch eine Darmspiegelung) fehlen, leiden sie schmerzhaft unter Völlegefühl, Übelkeit, Blähungen, Durchfall oder auch Verstopfungen. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Typisch ist, dass seelische oder körperliche Belastungen die Beschwerden verstärken. Experten vermuten unter anderem eine angeborene Übersteuerung des vegetativen Nervensystems.
Wichtig: Manche Schmerzmittel lähmen den Darm und verschlimmern so die Beschwerden. Wärmflasche und feuchte Wickel lösen dagegen Verspannungen und Krämpfe. Zusätzlich äußerlich aufgetragenes Kümmelöl wirkt ebenfalls lindernd. Bewegung löst verspannte Muskulatur, stärkt die Darmfunktion.
Steckbrief Myrrhe – Heilkraft seit Jahrtausenden
Die Myrrhe gehört zu den ältesten Heilmitteln der Menschheit und wurde schon von Hippokrates verwandt. Egal ob Juden, Moslems oder Christen: Allen drei Weltreligionen war die Myrrhe heilig. Schon im frühen Mittelalter gelangten Rezepte von Myrrhe-Arzneien aus dem Nahen Osten nach England.
Herkunft: Man unterscheidet bis zu 200 verschiedene Myrrhearten. Sie wachsen in den östlichen Mittelmeergebieten, Arabien und Ostafrika.
Merkmale: Der Myrrhenbaum ist ein bis zu drei Meter hoch wachsender, dorniger, stark verzweigter Baum mit rosafarbenen kleinen Blüten.
Inhaltsstoffe: Das aus dem Myrrhenbaum gewonne, luftgetrocknete Harz wird als Myrrhe bezeichnet und enthält bis zu einem Zehntel ätherische Öle.
Einsatzgebiet: Mittel mit Myrrhe wirken entkrampfend, schmerzstillend, entzündungshemmend und wundheilungsfördernd – und sie stabilsieren die wichtigste Schutzschicht im Körper: die Darmbarriere. Einsatzgebiete sind Durchfall, Blähungen und Krämpfe, besonders wenn diese bei chronischen und entzündlichen Darmerkrankungen auftreten
Studienlage: Myrrhe wird kombiniert mit Kamille und Kaffeekohle (zum Beispiel in Myrrhinil-Intest®) seit über 60 Jahren zur unterstützenden Behandlung bei Magen-Darm-Störungen mit Durchfällen, Blähungen und Krämpfen eingesetzt. Zahlreiche Forschungsarbeiten an deutschen Universitäten belegen, dass die Pflanzenkombination entzündungshemmend, krampflösend und blähungslindernd wirkt und die Darmbarriere stabilisieren kann. In klinischen Studien konnte zudem gezeigt werden, dass die Pflanzenarznei typischen Symptome wie Durchfall, Blähungen und Krämpfen bei Magen-Darm-Störungen, wie sie auch beim Reizdarmsyndrom oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen auftreten, verbessern kann.
Gegenanzeige: Myrrhemittel können Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen.
Schnelltest: Reagiert mein Darm gereizt?
1. Sind die Beschwerden erstmalig vor dem 35sten Geburtstag aufgetreten und sind Sie eine Frau?
2. Fühlen Sie sich weitgehend körperlich fit und beruflich leistungsfähig?
3. Leiden Sie häufiger unter Durchfall und oder Verstopfungen als andere Menschen?
4. Treten die Beschwerden länger als drei Monate auf?
5. Ändert sich bei Ihnen des öfteren Stuhlkonsistenz und -häufigkeit?
Auswertung: Ab zweimal „Ja“ leiden Sie unter typischen Beschwerden, die beim Reizdarmsyndrom auftreten können. Um die Ursachen für die Beschwerden zu klären und andere Krankheiten auszuschließen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Selbsthilfe: So beruhigen Sie den Bauch
Das können Sie tun: Tagebuch führen: Notieren Sie, was Ihre Beschwerden verursacht und vor allem wann sie auftreten (Tages- und Arbeitsrhythmus, Stress, Essen, Medikamente).
Locker lassen: Verringern Sie berufliche oder private Dauerbelastungen. Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training helfen Ihnen, den Alltagsstress besser zu „verdauen“.
Bewusster Essen: Trinken Sie viel Wasser oder Tee, das verhindert quälende Verstopfungen. Die Grundlage einer gesunden Ernährung ist eine pflanzenbasierte Vollwertkost. Gereifte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir stabilisieren die Darmflora und regulieren die Verdauung auf natürliche Weise.
Wärmen & bewegen: Wärmflasche und feuchte Wickel lösen Verspannungen und Krämpfe. Kamillentee beruhigt den Darm. Bewegung löst verspannte Muskulatur, stärkt die Darmfunktion.
Hilfe im Netz: „Was muss ich wissen? Was kann ich tun? Was darf ich essen?“ Antworten dazu liefert die virtuellen Experten-Patienten-Veranstaltung der Deutschen Reizdarmselbsthilfe e.V.
Klinikkontakt: Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum Bamberg, Chefarzt Professor Dr. Jost Langhorst, Buger Straße 80, 96049 Bamberg, Tel.: 0951/503-11251, www.sozialstiftung-bamberg.de; integrative.medizin@sozialstiftung-bamberg.de
Kosten: Die stationäre Behandlung in der Klinik für Naturheilkunde in Bamberg wird von den Krankenkassen übernommen. Zur Selbstbehandlung kosten 100 Myrrhe-Dragees circa 15 Euro (Apotheke).
Hinweis: Bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der Erfahrungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Therapieergebnisse sind generell individuell. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient der medizinjournalistischen Information.
© medizin-reporter.blog/André Berger



















