Schluckbeschwerden. Vor zwölf Jahren schlichen sich die Beschwerden ins Leben von Katja, die zusammen mit ihrer Schwester ein großes Brautmodengeschäft führt. „Wir fingen damals gerade an. Und ich litt auf einmal unter einem trockenen Hals, hatte beim Schlucken Probleme“, erinnert sie sich. „Als die ,Erkältung’ nach drei Monaten nicht besser wurde, ging ich zum Arzt.“
Spur. Erneut ging Katja Vassiliadou zum Arzt. Und zum nächsten. Und dann noch einmal zum anderen. Bis im Rahmen der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung „Check-up 35“ eine Ärztin den Hals der jungen, schlanken Frau per Ultraschall kontrollierte. Genauer die Schilddrüse. Und tatsächlich wurde sie fündig: „Da sind Knoten. Höchstwahrscheinlich gutartig. Aber damit wir auf der sicheren Seite sind, müssen Sie zum Endokrinologen.“
Hintergrund: Fast jede dritte Frau hierzulande bekommt im Laufe ihres Lebens ein Problem mit der kleinen Hormonfabrik im Hals – fast jede Fünfte leidet unter einer Vergrößerung; bei jeder Siebten liegt eine Gewebeveränderungen vor; jede Vierte hat – wie Katja Vassiliadou – einen Knoten.
Schlimmer: Auf das Wachstum des Knotens hatten die Tabletten keinen Einfluss. Die Beule am Hals von Katja wurde immer größer. Und damit auch die Beschwerden wie Schluckstörungen. „Ende letzten Jahres reichte es mir: ich stellte mich in der Chirurgie im Krankenhaus vor, bekam noch für den Tag vor Weihnachten einen Termin zur operativen Entfernung des Knotens.“
Spritze. Für Professor Schneider ist das Verfahren nach rund 700 Eingriffen reine Routine: nach Desinfektion und örtlicher Betäubung der Halsregion per schmerzstillender Spritze platziert er unter Ultraschallkontrolle die Spezialnadel in den Knoten in der Schilddrüse.
Abbau. Innerhalb der nächsten Monate gingen nach und nach auch die Schluckbeschwerden und das Engegefühl am Hals zurück. „Als ich jetzt Anfang Juli zur Nachkontrolle nach Köln kam, war der Knoten von knapp drei auf bereits 1,7 Zentimeter geschrumpft ist. Gott sei Dank ist damit das Thema Schilddrüsen-OP für mich vom Tisch!“
Welche Vorteile hat die Thermoablation? Der größte Vorteil ist die minimal-invasive Methodik, sprich es ist nur eine lokale Betäubung notwendig, das Risiko einer sichtbaren Narbe ist minimal, das gesunde Gewebe wird maximal geschont, die Komplikationsrate ist sehr niedrig bei gleichzeit hoher Erfolgsquote. Die Funktion der Schilddrüse bleibt erhalten. Es ist keine Hormontherapie notwendig.
Wie schnell zeigt sich der Erfolg? Aktuelle Studien zeigen, dass das Volumen der Schilddrüsenknoten bereits drei Monate nach Behandlung im Schnitt um ein Drittel bis zur Hälfte abnimmt. Nach einem halben Jahr liegt die Abnahme bereits bei 40 bis 65 Prozent. Und im Langzeitverlauf nach einem Jahr haben sich die Knoten um bis zu 90 Prozent verkleinert.
Was ist eigentlich typisch „Schildrüsen“-Leiden? Das ist gar nicht so leicht, denn oft verstecken sich erste Symptome der Über- oder Unterfunktion hinter Störungen des Wohlbefindens. Typisch für die Unterfunktion – etwa aufgrund einer Hashimoto-Entzündung – sind vermehrte Müdigkeit, Leistungsschwäche, Gewichtszunahme, trockene Haut, dünnes Haar, unregelmäßige Periode, Depressionen. Genau umgekehrt die Überfunktion, z.B. durch Morbus Basedow: Anzeichen sind hier Schlafstörungen, innere Unruhe, Dauerhunger, Gewichtsverlust, Hitzewallungen, Herzklopfen.
Warum sind Unterfunktionen meist weiblich? Das „Frauenhormon“ Östrogen wirkt auch auf die Schilddrüse, kann dort die Hormonproduktion reduzieren. Deshalb sind „Östrogen-Hochzeiten“ – während der Schwangerschaft oder bei Zyklusstörungen ab Mitte 30 – für die weibliche Schilddrüse besonders belastend.
Als kleines, schmetterlingsförmiges Organ liegt die Schilddrüse wie ein Schild vor der Luftröhre, gleich unterhalb des Kehlkopfes und dicht an den Hals-Schlagader und -Vene, um seine lebenswichtigen Hormone ans Blut abzugeben.
Denn eigentlich ist die Schilddrüse nichts anderes als eine kleine Chemiefabrik, die u.a. aus Jod Hormone herstellt, speichert und auf Geheiß der Hirnanhangdrüse ins Blut ausschüttet – so den gesamten Stoffwechsel steuert.
Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone abgibt, spricht man von einer Unterfunktion (Hypothyreose); eine Überfunktion nennt man „Hyperthyreose“. Jodmangel führt zur Vergrößerung der Drüse. Folge sind häufig gutartige Knoten, die sowohl aktiv (heiß), als auch inaktiv (kalt) sein können.
Die gute Nachricht: Der Jodmangel hierzulande ist fast vorüber. Dank des hohen Gehalts in der Milch und häufigerer Verwendung in Gastronomie und Lebensmittelindustrie wird die Schilddrüse seit rund 20 Jahren immer besser mit dem Hormon-Baustein versorgt.
Kosten: Die Kosten des Eingriffs werden sowohl von den privaten als auch gesetzlichen Krankenkassen übernommen
Wichtig: bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachten Sie, dass mein Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzt. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information

Sehr informativer Beitrag, vielen Dank dafür. Interessant, dass dieses Verfahren für jeden geeignet ist. Ich werde meine Freundin darüber informieren, vielleicht hilt es ihr, sich weiter bei einem Arzt zu informieren, bevor eine Schilddrüsen Op ansteht.
Gut zu wissen, dass eine Unterfunktion der Schilddrüse seit rund 20 Jahren immer seltener auftritt. Danke für den wichtigen Beitrag! Ich habe seit einigen Monaten Probleme mit meinem Hals und meiner Stimme. Am besten werde ich mich dafür an eine Praxis für eine chirurgische Vorsorgeuntersuchung wenden.