Pulsierend. Der quälende Halbseiten-Kopfschmerz schlich sich spät ins Leben der 38-Jährigen. „Das erste Mal trat das dumpfe Pochen im Sommer 2007 bei mir auf“, erinnert sich die Frau aus Bochum. „Am Ende eines anstrengenden Tages wollte ich auf der Couch entspannen, als ich merkte, wie mein Schulter-Nacken-Bereich bretthart wurde und wie kurze Zeit später die rechte Kopfseite pulssynchron zu pochen anfing.“
Nach Auswertung des Kopfschmerz-Fragebogens gehörte Sabine Alt zur Gruppe der etwa fünfeinhalb Millionen Frauen hierzulande, die regelmäßig unter Migräne leiden. „Mein Arzt erklärte mir, dass Frauen zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr besonders häufig und besonders stark unter diesem Kopfschmerz-Klassiker leiden.“
Pulssynchron. Als Folge treten erst „Aura“-Erscheinungen wie Sehstörungen auf. Dann kommt es zu entzündlichen Veränderungen an den Blutgefäßen des Gehirns. Bis zur „Neubefüllung“ der Serotonin-Speicher ist dann jeder Pulsschlag mit Schmerzen verbunden.
Auszeit. Das ärztlich geleitete Fasten in der Fachklinik für Naturheilverfahren ist dabei viel mehr, als nur das Essen wegzulassen. „Es geht darum, den gesamten Menschen zu entlasten“, erklärt Chefarzt Dr. Rainer Matejka (60). „Bei Migräne steht schulmedizinisch vor allem das Gehirn im Fokus. Mit der Naturheilkunden können wir ergänzend ganz viele Co-Faktoren wie Stoffwechselstörungen, hormonelle Schwankungen, muskuläre Dysfunktionen angehen, die den chronischen Kopfschmerz erheblich befördern.“
Bewegen. Vor den Erfolg der Entspannung hat das Therapiekonzept bei Sabine Alt zudem den Schweiß der Anstrengung im Rahmen von Bewegung und Gymnastik gesetzt. „Gerade der Wechsel zwischen muskulärer Anspannung und anschließender Entspannung führt zur nachhaltigen Beruhigung des vegetativen Nervensystems“, so der Allgemeinmediziner, Fastenarzt und Experte für biologische Medizin. „Die Folge ist eine tiefe Entspannung. Und das senkt erwiesenermaßen die Zahl der möglichen Migräne-Attacken pro Monat.“
Abfasten. Nach zwei Wochen kam dann der feierliche Tag des Abfastens für die junge Frau. „Den ersten Löffel der Kartoffelsuppe werde ich nie vergessen“, lacht sie begeistert. „Ein bisschen befürchtete ich allerdings, dass mit dem Essen auch die Migräne-Attacken zurückkehren würden.“
Worin unterscheidet sich Migräne eigentlich von normalen Kopfschmerzen? Typische „Migräne“ ist, wenn körperliche Belastung wie z.B. Treppensteigen die Schmerzen verstärken, wenn Sie parallel an Übelkeit leiden und wenn die Beschwerden den Arbeits- oder Schulalltag und die Freizeit stören.
Wie häufig ist Migräne? Nach einer großen Studie der Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DKMG) leiden inzwischen rund 5,5 Millionen Frauen unter den peinigend-pochenden Kopfschmerz-Attacken – gut dreimal mehr als Männer. Tag für Tag können deswegen etwa 900000 Deutsche nicht arbeiten, schlafen, sich um die Familie oder Freunde kümmern.
Pochend pulsierende Kopfschmerzen; oft einseitig; meist mit Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit verbunden – jede dritte Frau erkrankt hierzulande mindestens einmal im Leben an einer Migräne-Attacke. Bis zu 5,5 Millionen leiden regelmäßig.
Störung. Nach heutiger Auffassung vermutet man als Migräne-Ursache eine angeborene Überempfindlichkeit für plötzliche Änderungen im Nervensystem z. B. durch Stress, Hormon-, Wetter-, Ernährungs- oder Schlaf-Änderungen. Das führt zu plötzlichen Entleerung der Serotonin-Depots.
Zusammenhang. Besonders zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr leiden Frauen unter dem klassischen Halbseiten-Kopfschmerz, der bei Bewegung schlimmer wird. Experten vermuten deshalb einen Zusammenhang zwischen dem weiblichen Zyklus und der Überempfindlichkeit des Gehirns.
Zunahme. Da sich die Migräne-Häufigkeit hierzulande in den letzten 40 Jahren verdoppelt bis verdreifacht hat, spielen aber auch Umweltfaktoren wie Stess und Lärm und moderner Lebensstil (Ernährung, Schlafmangel) eine wichtige Rolle.
Eine wichtige Säule beim Heilfasten in der Klinik von Weckbecker ist die Lehrküche. Hier bringen Ernährungsberater den Patienten die Kunst ausgewogener, gesunder Ernährung näher.
Achtung: Zitrusfrüchte, Avocados, Bananen, sauer eingelegtes Gemüse wie Sauerkraut, Tomaten, abgehangenes, geräuchertes oder gepökeltes Fleisch, gereifter Käse, Fisch – vor allem geräuchert oder mariniert, kakaohaltige Produkte wie Schokolade oder Nougat, Rotwein und Bier, Hefeextrakt und Nüsse sind aminreich, fördern so Migräne.
Botenstoffe steigern: Müsli, Kartoffeln und Nudeln enthalten viel so genannter Tryptophane, die über die Blut-Hirn-Schranke den Anti-Schmerz-Botenstoff Serotin im Hirn steigern.
Gesunde Menschen können ohne Probleme das Kurzzeit-Fasten (3-4 Tage) zu Hause durchführen. Längeres Heilfasten ist grundsätzlich nur unter fachlicher Betreuung zu empfehlen.
Danach: 1 Glas kaltes Wasser auf nüchternen Magen. Morgentee (Früchte oder Kräuter mit 1/2 TL Hönig). Mittags Gemüsebrühe oder -saft. Nachmittagstee (wie Morgentee). Abends 1 Glas Obst- oder Gemüsesaft.
Abfasten: Brechen Sie das Fasten vormittags mit einem Apfel. Mittags dann leichte Suppe, nachmittags Tee. Abends Suppe, alternativ Joghurt mit Leinsamen, Knäckebrot. Danach vorsichtiger Kostaufbau mit leichten, ballaststoffreichen Speisen, wenig Fett, kein Fleisch
- Treten die Kopfschmerzen nur auf einer Kopfseite auf?
- Sind die Beschwerden klopfend oder hämmernd und verstärken sich bei Bewegung?
- Gehen den Attacken oftmals Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen voraus?
- Leiden Sie gewöhnlich während Ihrer Schmerzattacken unter Übelkeit, sowie unter Licht- und Lärmempfindlichkeit?
- Halten die Kopfschmerzen ohne Medikamente zwischen vier und 72 Stunden an?
Auswertung:
Mit jeder positiven Antwort steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an Migräne leiden. Deshalb sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Ohne genaue Diagnose und Therapie können sich Ihre Schmerzanfälle im Laufe der Jahre stark verschlechtern
Klinik von Weckbecker, Fachklinik für Naturheilverfahren, Rupprechtstraße 20, 97769 Bad Brückenau, Tel.: 09741-830, Internet: http://www.weckbecker.com
Kosten:
Die Malteser-Klinik ist als Fachklinik für Vorsorge und Rehabilitation anerkannt. Nach ärztlicher Einweisung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten ganz oder teilweise.
