Mutig „So habe ich mich damals aufgemacht – drei Jahre nach der Wende. Mit 18 vom Land in die Stadt, aus Thüringen nach Bayern. Ohne Stadtplan, ohne Handy. Nur mit 50 D-Mark in der Tasche“, erzählt sie. „Am Ende löste ich alle Probleme – so wie viele weitere auf meinem Weg zur diplomierten Verwaltungswirtin. Trotzdem ließen mich die belastenden Gefühle meiner Jugend nie richtig los.“
Streit Die Frau mit dem naturkrausen, blonden Haar trifft die Mehrfachbelastung besonders hart: „Nicht bloß das ewige Pendeln zwischen Beruf, Kindern und Haushalt strengte mich an – strafverschärfend kamen Sorgerechtsstreitigkeiten dazu“.
Ergraut Natürlich tun die drei Wochen Nordsee Sohn und Mutter gut – nachhaltend geholfen ist Odette aber nicht: „Bis zur gerichtlichen Sorgerechtsklärung 2014 war mein Haar sichtbar grau geworden. Ich litt unter Herzrasen, wiederkehrenden Infekten. Im Spätsommer musste ich gar wegen eines Lungenriss in die Klinik. Ich fühlte mich erschöpft und ausgebrannt – körperlich, wie seelisch. In meiner Not googelte ich mich durchs Internet, stieß dabei auf Kaya Veda in Augsburg. Das Angebot einer Ayurveda-Kur sprach mich spontan an.“
Hintergrund Vor über 4000 Jahren entwickelt wird das traditionsreiche Heilverfahren in Indien immer noch neben der modernen Schulmedizin erfolgreich gelehrt und praktiziert. Ayurveda – zu Deutsch ,Wissen vom Leben‘ – geht dabei von drei Grundenergien (Doshas) aus, die beim Menschen im Gleichgewicht sein müssen, um die Gesundheit zu erhalten –Vata, Pitta und Kapha (siehe Selbsttest).
Kontrolliert Entsprechend der bildhaften Vorstellung des Ayurveda bringt eine Drei-Phasen-Entschlackungskur die Doschas wieder ins Gleichgewicht, korrigiert das Agni (Verdauungsfeuer), reinigt die Shrotas (Kanäle) und kräftig alle Dhatus (Gewebe). „Dazu greifen wir unter anderem auf berühmte Heilpflanzen-Rezepturen wie Triphala zurück“, so Balvinder Sidhu. „Dahinter verbergen sich die Früchte der drei Himalaya-Bäume Haritaki, Amalaki und Bibhitaki. Die Mixtur wird hier in Deutschland laborüberwacht für uns zusammengestellt.“
Kombination „Zum Frühstück gab es kombiniert Isebgol-Kräutermix mit Indischer Flohsamenschalen und Banane, Apfel oder Ingwer“, liest sie ihren Kur-Plan vor. „Mittags kam Mungh-Bohnen-Suppe auf den Tisch, die ich ab dem sechsten Tag mit Gemüse und Reis anreichern durfte. Gleiches gab es auch abends. Zwischendrin legte ich einen Tag des totalen Fastens ein. Da gab es nur Gemüsebrühe, Ingwer-Wasser und Kräutertee.“
Erfolg „Es kostete ein bisschen Mühe, doch der Erfolg der Entgiftung stellte sich nach wenigen Tagen ein“, ist die Frau begeistert. „Ich konnte viel besser ein- und durchschlafen. Nach anderthalb Wochen begann langsam der Kostaufbau. Die Kräutermischungen nahm ich weitere 20 Tage, bekam so die Verdaung in Griff.“
Bilanz „Das für mich Wichtigste ist, dass ich wieder sehe, wieviel Gutes ich gerade erlebe und wieviel Kraft ich habe“, erzählt sie aktuell anlässlich eine Nachkontrolle in Augsburg. „Die Farbe meines Alltags ist von grau zu bunt gewechselt – und das gibt mir jede Menge neuer Energie!“
Vier Fragen an die Ayurveda-Expertin Balvinder Sidhu (49), Leiterin des Instituts Kaya-Veda in Augsburg
Worin besteht der Unterschied zum traditionellen Heilfasten? Gemäß der ayurvedischen Prinzipien wird ein totales Fasten nur mit Wasser, Brühe und Tees nicht länger als einen bis anderthalb Tage empfohlen. Grund ist, dass zu langes Fasten des Verdauungsfeuer reduziert. Außerdem wird die Vata-Energie gefördert. Deshalb sollten nur Menschen mit Kapha-Konstitution länger fasten.
Wie lange dauert die Entschlackung und gibt es Risiken? Es gibt die Möglichkeit einer zehn- und einer 14-tägigen Kur. Wer in ärztlicher Behandlung ist, sollte unbedingt vorher seinen Arzt darauf ansprechen, ob er geeignet ist. Bei Allergien gegen die vorgeschlagenen Lebensmittel beziehungsweise gegen ayurvedische Kräuter sollte gleichfalls davon abgesehen werden.
Was können wir selber tun – drei Selbsthilfetipps aus dem Ayurveda
Auch ein Tabu nach den Ayurveda-Regeln: Mal schnell einen Happen zwischendurch. Essen ist ein zentraler Aspekt im Leben. Ayurveda empfiehlt, in ruhiger und angenehmer Atmosphäre zu speisen. Das Essen sollte Gaumen und Augen gleichermaßen erfreuen. Zu den Mahlzeiten trinkt man am besten Wasser.
Last but not least: nach einem stressigen Tag im Büro helfen heiße Milch mit Muskatnuss und Kardamon, um zu Kräften zu kommen – oder eine sanfte Partnerschaftsmassage der Fußsohlen mit Sesamöl.
Hintergrund Burnout
Selbsttest: Welcher Ayurveda-Typ bin ich?
Der Pitta-Typ: Sie sind eher ungeduldig, reagieren auch mal gereizt und wütend. Sie schwitzen leicht, haben eine warme, aber leicht unreine Haut. Sie essen gerne, leiden manchmal unter Sodbrennen. Sie haben öfter Kopfschmerzen
Der Kapha-Typ: Sie sind oft müde und fühlen sich antriebslos. Sie nehmen leicht zu, essen zuviel – dabei ist Ihre Verdauung eher träge. Sie mögen keinen Sport und lieben es, viel und lang zu schlafen.
Kosten: Die Kosten für die Kur sind flexibel und beginnen bei circa 200 bis 350 Euro. Für das Gesamtpaket mit Tee, Kräutermix, Tabletten, Tinkturen, Pasten, Handschuh, Körperöl, Buch, CD und Zungenreiniger hat Odette Witt 750,00 Euro gezahlt. Wie beim Heilpraktiker wird die ayurvedische Kur von der Krankenkasse nicht übernommen
Wichtig: bei der vorgestellten Klientin handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information
