Programm. Neben der Gartenarbeit ist Annemarie Becker fast täglich im Ort mit dem neuen E-Bike unterwegs, geht ein Mal pro Woche zur Gymnastik, erkundet am Wochenende mit Ehemann Klaus gleichfalls per Velo die nähere Umgebung. „Vor drei Jahren wäre mir noch die Puste ausgegangen. Damals fühlte ich mich kaum leistungsfähig, war kurzatmig, hatte gar Wasser in der Lunge – mein Herz wollte nicht mehr!“
Erschöpfend. „Wir waren gerade in der Loipe, als mir das Herz bis zum Hals pochte. Der Puls stieg auf 140 bis 150 Schläge pro Minute. Ich konnte kaum durchatmen – an Sport war nicht zu denken. So nahm ich den Skibus heim, legte mich hin – und zum Glück beruhigte sich alles nach einer Stunde wieder.“
Lästig. Zur Vorbeugung bekam Annemarie Becker zunächst einen Vitamin-K-Antagonisten. Allerdings fiel ihr der Umgang mit dem viele Jahrzehnte alten Blutverdünner nicht leicht: „Alle drei Wochen musste ich zum Arzt, um meine Blutwerte kontrollieren zu lassen. Außerdem musste ich mit dem Essen ständig aufpassen: über 200 Lebensmittel und Medikamente können die Wirkung der Vitamin-K-Antagonisten beeinflussen.“
Wie viele Menschen sind in Deutschland von Vorhofflimmern betroffen?
Aktuellen Schätzungen zufolge sind rund 1,8 Millionen Menschen hierzulande von der häufigstigen Form der Herzrhythmus-Störung betroffen, mehrheitlich im höheren Lebensalter ab 65 Jahren. Besorgniserreigend ist dabei, dass viele Patienten nichts davon wissen. Das liegt daran, das Vorhofflimmern vielfach keine, bzw. nur leichte Symptome auslöst.
Ein kurzzeitig erhöhter Herzschlag bei Belastung z.B. ist meist ganz normal. Doch wer bei sich grundlos einen Puls von über 100 Schlägen pro Minuten feststellt, sollte sein Herz ärztlich checken lassen – auch wenn der Puls wiederkehrend stolpert, ausbleibt oder unregelmäßig erscheint. Generell empfehlen wir auch unseren ärztlichen Kollegen bei allen Patienten ab 65 regelmäßig das Tasten des Pulses – entweder am Handgelenk oder am Hals.
Wenn der Patient unter einem unregelmäßigen Puls leidet, ist eines unser wichtigsten Ziele, das Herz wieder in den normalen Sinus-Rhythmus zu bringen. Dafür steht uns neben der Kardioversion seit wenigen Jahren die Möglichkeit der unblutigen Verödung der Fehlsteuerung des Herzschlags im „elektrophysiologischen“ Katheterlabor zur Verfügung (sog. Katheter-Ablation).
Und wenn das nicht funktioniert?
Dann kann mit Medikamenten wie Betablocker, Digitalis oder Kalziumkanalblocker der Herzschlag beruhigt werden. Außerdem ist es wichtig, das Schlaganfallrisiko zu kontrollieren. Dank der neuen, oralen Gerinnungshemmer ist das noch einfacher geworden. Würden alle Patienten frühzeitig diagnostiziert und behandelt, könnten hierzulande rund 9.400 Schlaganfälle pro Jahr vermieden werden!
StSelbsthilfe-Kasten
Lebensstil-Änderung: Falsche Ernährung, aber auch Rauchen, sowie Bewegungsmangel sind die Top-Feinde unseres Gehirns. Denn die Folgen sind Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht. Und das sind allesamt Faktoren, die das Risiko eines Schlaganfalls entscheidend erhöhen. Eine Studie hat nun gezeigt, dass allein Abnehmen ausreicht, um das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.
Wachsam bleiben: Jeder dritte Schlaganfall kündigt sich Stunden, Tage oder auch Wochen vorher an. Bei plötzlichen Sehstörungen auf einem Auge, Sehen von Doppelbildern, einer vorübergehenden halbseitigen Muskelschwäche oder Gefühlsstörungen in Arm oder Beinen, kurzen Sprachstörungen, Drehschwindel oder Gangunsicherheit oder erstmalig und plötzlich auftretenden, rasenden Kopfschmerzen sollten Sie umgehend zum Arzt oder den Notarzt rufen.
Lassen Sie sich helfen: Wenn Sie unter Bewegungsmangel und Übergewicht leiden, sollten Sie beim Arzt zumindest die Risikofaktoren „Bluthochdruck“, „Puls“ und „Cholesterin“ regelmäßig kontrollieren lassen. Auch, wenn es in Ihrer Familie bereits Fälle von Schlaganfällen gab, sollten Sie zum Vorsorgecheck!
Nahezu 270.000 Bundesbürger erleiden pro Jahr die lebensgefährliche Krankheit, die nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache hierzulande ist. Experten der Weltgesundheitsorganisation sprechen bereits von der kommenden „Epidemie des 21. Jahrhunderts“.
Der plötzliche Funktionsausfall wird durch Sauerstoffmangel im Gehirn ausgelöst – immerhin verbraucht der biologische Super-Computer etwa ein Fünftel des Biotreibstoffs. Ursache ist in vier von fünf Fällen das Verstopfen einer Ader durch ein Gerinnsel. Beim restlichen Fünftel ist eine Blutung durchs Zerreißen eines Gefäßes schuld.
FAST-Test: Den Schlaganfall richtig erkennen
- F wie Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
- A wie Arms (Arme): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, sinken oder drehen sich.
- S wie Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
- T wie Time (Zeit): Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute, um Leben zu retten oder bleibende Behinderungen zu vermeiden. Wählen Sie den Notruf 112 und schildern Sie die Symptome.
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung hierzulande. Zwei von hundert aller unter 65jährigen leiden daran. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit zu.
Beschwerden: Typisch sind Frequenzen von über 100 Herzschläge pro Minute, ein unregelmäßiger, stolpernder Puls, Unruhe, Schlaflosigkeit; aber auch Luftnot und diffuse Herzschmerzen.
Verschlechterung: Vorhofflimmern kann plötzlich beginnen und genauso plötzlich stoppen. Es kann auch in lang anhaltender Form auftreten sowie dauerhaft sein.
Hinweis: bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information.
