Nach nur einer Spritze konnte ich meinen rechten Arm wieder bewegen

Rost. Die Beschwerden von Christiane Winters (Name geändert) fangen da an, wo für die meisten Menschen ein anstrengender Tag endet: im Bett. Morgens beim Aufstehen. „Als wäre ich über Nacht eingerostet, so sitze ich dann auf der Bettkante – bis ich steif wie eine Salzsäule vorsichtig ins Bad schreite“, beschreibt die Sportlehrerin aus der Nähe von Bonn allen Anfang. „Zu früher Stunde bereiten mir selbst kleinste Bewegungen Schmerzen – mal im linken Knie, mal in der rechten Schulter. Besser wird es im Verlauf des Duschens und Ankleidens – wenn alle müden Gelenke einmal durchbewegt sind.“

Lästig. Richtig gut geht es der ehemaligen Leistungssportlerin aber längst nicht mehr. Seit mindestens zehn Jahren doktert die heute 55-jährige an einem vorzeitigen Knorpelverschleiß im linken Kniegelenk herum, soll deswegen demnächst eine Gelenkteilprothese bekommen Und als würde das nicht reichen, kommen nun die Probleme mit dem rechten Arm dazu.

Sturz. An den Auslöser für die Armbeschwerden erinnert sich die ehemalige Mittelstreckenläuferin genau: Vor einem Jahr trainierte die Sportlehrerin zweimal in der Woche die Volleyball-AG. „Ich muss mich beim Schmettern falsch aufgestellt haben,“ rekonstruiert sie den Vorfall. „Jedenfalls stürzte ich, hatte beim Fallen das Gefühl, als ob in der Schulter irgendetwas riss.“

Tabletten. Das Training war damit zu Ende. Zuhause kühlt Christiane Winters das Gelenk, welches Oberarm mit Schlüsselbein und Schulterblatt verbindet, nimmt schmerzstillende Tabletten. Die Beschwerden werden besser. Nur vollständig weg geht das Brennen, Reißen und Stechen nicht mehr.

Unsanft. Im Gegenteil: kleinere körperliche Belastungen, unvermeidlich in dem Beruf, lassen die Entzündung rasch wieder aufflackern. Schmerzsalbe gehört nun zur Grundausstattung ihrer Sporttasche. Nachts wird Christiane Winters manchmal von Stichen in Schulter und Arm unsanft geweckt.

Arztsuche. „Auf Anraten meines Arztes, bei dem ich schon mit meinem Knie in Behandlung war, arbeitete ich mit Muskeltraining dagegen an,“ erzählt die superfitte Frau. „Zweimal pro Woche ging ich ins Fitness-Studio. Doch das half nicht. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einer zweiten Meinung – im Internet stieß auf die neue Beta-Klinik in Bonn und das besondere Konzept von Dr. Markus Klingenberg.“

Erfahrung. Christiane Winters lässt sich einen Termin beim leitenden Arzt für Gelenkchirurgie und Sportmedizin geben, der als Kooperationspartner den Olympiastützpunkt Rheinland betreut. „Meine Hoffnung: ein Arzt, der Profi-Sportler behandelt, kann auch mir besser helfen.“

Einschätzung. Ihre Wahl scheint richtig zu sein. Nach einer ersten Untersuchung per Ultraschall und Begutachtung der vorhandenen Röntgenbilder ist das Worst-Case-Szenario „Berufsunfähigkeit“ vom Tisch. „Aufgrund des Grades des Gelenkverschleißes möchte ich den Fokus auf Reparatur und nachhaltige Erholung des Gelenks legen,“ so Klingenberg nach der ersten Untersuchung.

Wertvoll. Dazu steht in Deutschland seit über zehn Jahren ein spezielles Aufbereitungsverfahren des patienteneigenen Blutes zur Verfügung – die ACP-Therapie, die nun auch Christiane Winter helfen soll. „Wenn wir aus dem Blut die großen, festen Bestandteile entfernen, also die roten und weißen Blutzellen, verbleibt das sogenannte plättchenreiche Plasma“, erklärt Sportmediziner und Orthopäde Dr. Klingenberg. „Diese hochpotente Flüssigkeit ist nicht nur reich an Eiweißen, sondern enthält zahlreiche, wertvolle Wachstumsfaktoren.“

Aktivierung. Im Rahmen einer Gelenkinjektion aktiviert das plättchenreiche Plasma den „anabolen Stoffwechsel“ des Körpers. Dabei werden biologische Baumaterialien wie Zuckermoleküle, Fett- und Eiweißsäuren in körpereigene Zellbestandteile eingebaut. „Durch komplexe Prozesse des körpereigenen Zellaufbaus können wir gezielt im Gelenk entzündliche Prozesse stoppen“, erläutert der 43-jährige Arzt, der selbst ehemaliger Leistungssportler im Judo ist. 

Kältepistole. Christiane möchte diese Therapiemöglichkeit gerne ausprobieren. „Die Idee, körpereigene Zellen zu verwenden, war mir sympathisch“, berichtet sie. „Die Behandlung ist dabei nahezu schmerzfrei: Aus der Armbeuge wurden mir etwa 15 Milliliter venöses Blut für die sterile Doppelkammer-Spritze entnommen und anschließend mit einer Kryopistole die Injektionsstelle an der Schulter lokal betäubt.“

Trennung. In der Zwischenzeit wird in einer Zentrifuge das Blut nach Serum und Plasma getrennt. Anschließend wird in der inneren Kammer der ACP-Spritze das goldgelbe, klare Plasma sicher und keimfrei in eine zweite Spritze übertragen, so steht es direkt zur Injektion ins Gelenk bereit.

Auffrischung. „In der Praxis haben sich – je nach Größe des Gelenks – drei Injektionen im Abstand einer Woche bewährt. Danach raten wir alle drei bis zwölf Monate zur Auffrischung der biologischen Therapie“, ergänzt Dr. Markus Klingenberg. „Die Wirkung setzt innerhalb von Tagen ein.“

Anhaltend. So auch bei der Lehrerin. „Ich bemerkte, dass das Gelenk gleich nach der ersten Injektion abschwoll und ich meinen Arm wieder besser kreisen lassen konnte“, berichtet sie. „Nach 14 Tagen fing ich dann an, im Sportunterricht wieder mehr mitzuspielen. Erstaunlich: die Schmerzfreiheit hielt an.“

Schieben. Nach und nach steigerte Christiane die Intensität. „Zwei Monate später nahm ich dann erstmals an einem Volleyball-Spiel teil“, strahlt sie. „Als nächstes lasse ich jetzt mein Knie behandeln. Vielleicht kann ich so den Gelenkersatz zwar nicht völlig vermeiden. Aber zumindest den Eingriff noch ein paar Jahre hinausschieben.“

Fünf Fragen an Dr. Markus Klingenberg (43), Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin, Chirotherapie und Notfallmedizin, Beta-Klinik in Bonn.

Wie kommt es zur Arthrose? Der Gelenkverschleiß kommt meist mit dem Alter oder in Folge von Über- und Fehlbelastungen der Gelenke. Das Knorpelgewebe nutzt sich ab – im schlechtesten Fall, bis im Endstadium Knochen direkt auf Knochen reiben. Dadurch entstehen Reizzustände im Gelenk, die heftige Schmerzen verursachen. Bei den meisten Patienten sind gleich zwei oder drei Gelenke betroffen.

Was bedeutet die Abkürzung ACP? Die Behandlung mit Autologem Conditioniertem Plasma – kurz ACP – ist ein erprobtes Behandlungsverfahren zur Therapie verschleißbedingter Gelenkbeschwerden. Neben der Arthrose hilft ACP auch bei akuten Muskelverletzungen wie einem Muskelfaser- oder Bänderriss und bei schmerzhaften Sehnenentzündungen.

Wie erfolgt die Behandlung? Für die ACP-Therapie wird Blut aus der Armvene entnommen. Durch ein spezielles Trennverfahren wird der Teil des Blutes gewonnen, der körpereigene, regenerative  und entzündungshemmende Bestandteile enthält. Die so gewonnene natürliche und biologische Lösung wird in das betroffene Gelenk, den Muskel oder die Sehne injiziert.

Wieso funktioniert die ACP-Therapie? Schon länger ist bekannt, dass die in unserem Blut enthaltenen Wachstumsfaktoren Heilungsprozesse positiv beeinflussen können. Es werden Heilungs- und Aufbauprozesse im geschädigten Gelenk angeregt. Dadurch kommt es nicht nur zu einer signifikanten Linderung der Schmerzen, sondern auch zu einer schnellen Regeneration und nachhaltigen Funktionsverbesserung des Gelenks.

Was kostet die Behandlung? Im Gegensatz zu vielen privaten Krankenversicherungen übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten bislang meist nicht. Eine Spritze kostet etwa 140 Euro. Eine Serie von drei bis fünf ist sinnvoll. Die Gesamtkosten liegen also bei 420 bis 700 Euro, die sich vielfach lohnen: Aktuelle Studien belegen, dass die ACP-Therapie beispielsweise der Hyaluronsäure überlegen ist. Im Gegensatz zur bekannten „Kortisonspritze“ setzt der entzündungshemmende Effekt zwar etwas langsamer ein, dafür sind Schmerz- und Funktionsverbesserung gut belegt. Vielfach beobachten wir auch eine Regeneration des Knorpels.

Kasten Schulter

Es sticht beim Griff ins oberste Bücherregel; brennt, wenn man in der Kantine sein Tablett wegstellt; verhindert den Reißverschluss hinten am Rock zu schließen: Jeder zehnte Patient beim Orthopäden hat Schmerzen in der Schulter. Das Besondere: „Im Gegensatz zur Hüfte ist die Schulter ein kraftschlüssiges Gelenk: Der große Oberarmknochen wird nur durch Muskelkraft in der Gelenkpfanne gehalten“, erklärt Dr. Markus Klingenberg. „Mit vier starken Muskeln sorgt die Rotatoren-Manschette dafür, dass das Gelenk stabilisiert wird.“ Werden diese Muskulatur und ihre Sehnen intensiv belastet – etwa bei Überkopfsportarten, wie Tennis oder Volleyball – können die Bänder rissig werden. Eine „Schulterdachenge“ – das Impingement-Syndrom – droht. Im ungünstigsten Fall können die Sehnen auch reißen.

„Manchmal sind es auch Unfälle wie ein Sturz, die für einen größeren Muskelriss sorgen“, so der Experte. „Das tut nicht nur weh – durch den Kraftverlust lässt sich der Arm schlecht heben.“

Selbsthilfe: So schützen Sie Ihre Gelenke

Wie ein Schwamm holt sich der Knorpel bei jeder Bewegung Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit. Fehlverstandene Schonung führt bei Arthrose zur weiteren Schwächung des Knorpels. Dagegen hilft regelmäßiges, gelenkschonendes Training wie Aquajogging, Radfahren oder Nordic Walking (mit Stöcken), um den Knorpelverschleiß abzubremsen. Außerdem schützt eine trainierte Muskulatur (z.B. per Krafttraining) das Gelenk vor Verletzungen.

Ernährung. Auch unser täglich Brot entscheidet mit über den Verlauf der Arthrose. Obst und Gemüse wirken abschwellend. Die enthaltenen Vitamine fangen zerstörerische Stoffwechselprodukte ein. Ein ausgeglichener Basen-Haushalt schützt das Gelenk

Arachidonfettsäuren befeuern die Entzündung. Da Leberwurst, Eigelb, Schweineschmalz und Schweinefleisch davon viel enthalten, sollten Sie diese Lebensmittel meiden.

Getreide stärkt mit dem Zink- und Vitamin B6-Reichtum den Knorpel. Auch gut: Weizenkeime (Vitamin E). Lachs und Hering enthalten viel Omega-3-Fettsäuren, die antientzündlich wirken.

Schnelltest: Droht mir eine Arthrose?

1. Spielen Sie regelmäßig Tennis, Squash, Basket-, Volley- oder Handball?

2. Sitzen Sie berufsbedingt lang am Schreibtisch, oder müssen Sie sich häufig bücken?

3. Gibt es in Ihrer Familie Fälle vorzeitiger Arthrose?

4. Haben Sie X- bzw. O-Beine, oder hatten Sie bereits eine Kniegelenksverletzung?

5. Wird Ihr Knie gelegentlich dick und schmerzt es morgens manchmal?

Auswertung:

Bereits bei ein- bis zweimal „Ja“ stehen Ihre Gelenke unter Stress. Sie sollten anfangen, mehr auf die Bio-Scharniere zu achten und ihnen Gutes tun. Ab dreimal „Ja“ besteht Verdacht auf eine Arthrose. Sprechen Sie Ihren Arzt beim nächsten Besuch darauf an.

Kasten Zur Person

Dr. Markus Klingenberg (43) ist seit 2014 als leitender Arzt an der Beta Klinik in Bonn tätig. Schwerpunkte des Facharztes für Ortopädie und Unfallchirurgie sind dort die Arthroskopie von Schulter-, Ellenbogen-, Knie- und Sprunggelenk, die Fußchirurgie und die Sportmedizin. Zur besseren Anleitung geht er gerne mit seinen Patienten in das klinikeigene Fitnessstudio.
Der ehemalige Leistungssportler in Judo (sechs schwarze Gürtel) ist Kooperationspartner des Olympiastützpunkts Rheinland. Er ist anerkannter Experte bei Breiten- und Profisportlern, Buchautor („Return to Sport“) und Entwickler einer Bewegungs-App („Vivira“).

Arztkontakt: Betaklinik Bonn, Orthopädie, Arthroskopische Chirurgie, Sportmedizin & Manuelle Medizin, Dr. med. Markus Klingenberger, Joseph-Schumpeter-Allee 15, 53227 Bonn, Tel. 0228/909075-0, markus.klingenberg@betaklinik.de, Internet: www.markusklingenberg.de

Hinweis: Bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der Erfahrungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Therapieergebnisse sind generell individuell. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient der medizinjournalistischen Information.

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages